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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1899-07-01 · Heft 7 (1.7.1899) · p. Seite 148

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
19 (1899)
Issue
Heft 7 (1.7.1899)
Date
1899-07-01
Page
Seite 148 (sequence 4)
Language
German
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148 daß Juden Kinder an sich locken und stehlen, um sie zu schlachten und ihr Blut zu rituellen Zwecken zu verwenden, so rechnen wir das billig zu „Halbasien"; wenn aber dasselbe auch in Deutschland geglaubt und dadurch deutsche Städte in Aufruhr und deutsche Gerichte in Bewegung gesetzt werden, dann verhüllt der Genius unseres doch auch an Lessing großgewordenen Volkes beschämt sein Haupt. Kommt es gar, wie in dem pommerschen Neustettin, zu Volksausschreitungen, so ist es an der Zeit, daß die ganze Bewegung als grober Unfug betrachtet und behandelt wird. Und wenn wir heute mit ansehen, wie in Frankreich der Antisemitismus im Bund mit den konservativen Mächten des Klerikalismus und Militarismus durch Lüge und Fälschung, durch brutale Drohungen und hochverräterische Machenschaften die Gerechtigkeit niederschreit, das Volk in atemlose Aufregung versetzt und den Staat an den Rand des Verderbens führt, so ist auch das für uns eine Warnung, wohin wir es nicht kommen lassen dürfen. Aber auch auf das Judentum selbst hat der Antisemitismus ungünstig gewirkt. Was in tausend Jahren an den Juden gefehlt worden ist, konnte natürlich in den dreißig oder vierzig Jahren nicht mit einem Male gut werden; und doch war die Verschmelzung und Angleichung des jüdischen und deutschen Wesens auf dem besten Wege; möglich ist sie nur durch das Aufgehen der 600 000 Juden unter den 52 Millionen Deutschen. Dieser Prozeß aber wurde gestört und gehemmt durch die Feindseligkeit des Antisemitismus. Die obere Schicht — ich meine damit gerade die gebildetsten und edelsten Vertreter des Judentums — war auf dem besten Wege, ganz deutsch zu werden und deutsch zu fühlen; auch im Übertritt zum Christentum sahen Manche nur noch die äußere Besiegelung des Verhältnisses. Jetzt traten auch sie wieder einen Schritt zurück, fühlten sich solidarisch mit ihren verfolgten Glaubens- und Stammesgenossen, und heute ist der Übertritt eines Juden zum Christentum keine indifferente, sondern — besondere Fälle abgerechnet — eine recht verächtliche Sache. So hat der Antisemitismus die Kluft, die sich zu schließen anfing, aufs Neue aufgerissen und erweitert und damit gerade das Gegenteil von dem erreicht, was er anzustreben vorgab. Er hat bis jetzt fast nur zersetzend, fast nirgends wirklich reinigend und aufbauend gewirkt, und deshalb kann ich ihn nicht zu den gesunden, sondern nur zu den Krankheitssymptomen unserer Zeit rechnen. Die Taufe. Man schreibt uns: Herrn Gustav Levinstein in Groß Lichterfelde, durch seine Agitation für den Sonntagsgottesdienst in Berlin weithin bekannt, wurde vielfach von orthodoxer Seite der durch nichts.gerechtfertigte Vorwurf gemacht, er stehe

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