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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1899-07-01 · Heft 7 (1.7.1899) · p. Seite 147

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
19 (1899)
Issue
Heft 7 (1.7.1899)
Date
1899-07-01
Page
Seite 147 (sequence 3)
Language
German
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147 Nun glaubte auch Treitschke seine Zeit zu verstehen und nahm sich mit seiner lauten Stimme der antisemitischen Bewegung an. Auch bei ihm war es wohl einerseits Abneigung gegen die Berliner Fortschrittspartei, die stark mit jüdischen Elementen durchsetzt war und durch den sachknndigen Manchestermann Bamberger der neuen Schutzzollpolitik den entschiedensten Widerstand entgegensetzte. Es war aber doch vor allem das rein nationale Pathos und Interesse; das Judentum erschien ihm als ein Tropfen fremden Blutes im deutschen Volkskörper. Dazu kam, daß er unter dem Einfluß des 70er Krieges religiöse Jugendeindrücke wieder belebte und legendenartig nach rückwärts, nach dem Muster von 1813, auch in dem Krieg von 1870 der Frömmigkeit eine bedeutsame Rolle zuweisen wollte. So begegnete er sich auch hier mit Stöcker: er schmähte den Liberalismus und näherte sich dem antisemitischen Konservatismus. In den damals noch von ihm redigierten „Preußischen Jahrbüchern", in seinen Vorlesungen und — wo es ann schlimmsten ist — in seiner Deutschen-Geschichte hat er in seiner temperamentvollen Weise und Form diesem Antisemitismus immer mehr die Zügel schießen lassen. Machte er Anfangs noch den Unterschied zwischen Judentum und jüdischen Auswüchsen, und wetterte er gegen diese mit sittlichem Ernst und nationalem Pathos, so beschimpfte und verhöhnte er schließlich den Juden wegen seiner krummen Nase oder wegen seiner dünnen Stimme und gewann sich dadurch im Colleg den Beifall radaulustiger Studenten. Gelegentlich freilich graute ihm doch -selber vor seinen antisemitischen Parteigenossen, aber dann dekretierte er schlankweg: „wenn wir ein unsauberes Antisemitentum eniporkommen sehen, so tragen die gemäßigten Parteien die Schuld!"- Unser moderner Staat ist nicht christlich und nicht einmal ausschließlich germanisch: an seinen Rändern gehören Polen, Dänen, Franzosen zu ihm; sollte er also die paar hunderttausend Juden nicht auch noch ertragen können'! Der Gedanke, die Juden selbst durch schlechte Behandlung zum Verlassen Deutschlands zu bewegen, und die daran sich anschließende Bewegung der Zionisten, die auf Gründung eines national-jüdischen Staates in Palästina ausgeht, ist völlig utopistisch und anachronistisch und stört nur den längst schon mit Erfolg eingeleiteten Assimilation-» Prozeß. Und so bleibt doch nichts als Haß und Neid; darauf aber baut man keine Partei, die Bestand hat, nicht.einmal einen studentischen Verein, und damit treibt man keine ersprießliche Politik. Wie unvornehm aber die ganze Bewegung ist, das zeigt schon der eine Name — Ahlwardt, deni sogar die akademische Jugend in Berlin eine Zeit lang als „dem Rektor aller Deutschen" zugejubelt hat; der Prozeß wegen der von der Firma Löwe gelieferten „Judenflinten" hat bewiesen, wie unsubstanziert und leichtfertig antisemitische Beschuldigungen in die Welt geschleudert werden. Daß sie aber in ihrer Skrupellosigkeit auch im höchsten Grade gefährlich ist, das ließ der Mordprozeß Buschhoff in Xanten in furchtbarer Deutlichkeit erkennen: wenn die Ungarn in Lisza Eszlar an das Märchen glauben,

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