Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 19 (1899)
- Issue
- Heft 6 (1.6.1899)
- Date
- 1899-06-01
- Page
- Seite 142 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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der Kunst und Wissenschaft beteiligten, hielt Herr Großrabbiner Isiclor die Grabrede. Namens des Centralconsistvrinms hielt Herr Cerf-Beer eine Rede, in der er unter anderem hervorhob: Wir waren glücklich, ihn zu den unsrigen zu zählen, nicht allein, weil er eine Zierde seines Landes gewesen, sondern noch mehr, weil er die Fahne seines Glaubens hochgetragen und inmitten dieser traurigen Epoche der Gleichgültigkeit in Sachen der Religion den gesunden Sinn bewahrt, den Glauben seiner Väter nicht zu verleugnen. — In Wien starb der sehr bekannte und allgemein beliebte Capellmeister Johann Gser. Oser war zu Nikolsburg im Jahre 1836 geboren und feierte schon in seiner frühesten Jugend in den mährischen und ungarischen Gemeinden zahlreiche Triumpfe als virtuoser Primgeiger. Er war auch Mitglied der bekannten jüdischen Kapelle der „Schoßberger Musikanten". Seit 1863 wirkte er als Orchesterdirigent in Wien. Neun Jahre lang war er Mitglied und später Dirigent der Capelle Kaulich. Beim Sperl und in anderen Vergnügungslocalen spickte er fünfzehn Jahre lang. Im Jahre 1885 unternahm er mit seiner Capelle eine Kunstreise nach England. In Wien arrangierte er früher jedes Jahr Bälle, namentlich seine Purimbälle waren sehr beliebt. Aus seiner Feder stammte eine große Anzahl von Musikstücken, von denen einige sogar Popularität und Beliebtheit errangen. In ganz Wien bekannt wurde die „Krach"-Polka, die Oser im Jahre 1873 komponiert hat. In der Jubiläums-Ausstellung und in „Venedig in Wien" wo er fast in jeder Saison spielte, errang er mit seiner ausgezeichneten Musikcapelle vielfache Anerkennung. — Im West-London-Wenter wurde ein Theaterstück gegeben: „Der Schild David, eine zionistische Episode". Das Stück enthält dieBewerbung und dieEhe eines Juden, Phebus Calourt mit einem Christenmädchen, das zum Judentum Übertritt. — Man berichtet: Der Oesterreichische Kaiser hat dem Porträtmaler Leopold Horowih in Wien das Ehrenzeichen für Kunst und Wissenschaft verliehen. Diese hohe Auszeichnung erscheint zunächst als Anerkennung des Kaisers für das gelungene Porträt der Kaiserin, welches in der Jahresausstellung des Künstlerhauses zu sehen ist, und ferner als Belohnung für das langjährige künstlerische Wirken des Herrn Horowitz. — Das „Iiddilh Theater" in Uew-Uork spielt Sensationsstücke mit Vorliebe am Freitag und Samstag Abend. So jetzt die Stücke „Dreyfnß" und „Emil Zola". Die russischen und polnischen Juden strömen schaarenweise hin. — Unter Führung des Architekten Schreiterer, des Theilhabers der Firma Schreiterer und Below, der die neue Synagoge am Königsplatz in Köln gebaut hat, besuchte der Kölner Gewerbeverein diesen interessanten Neubau. Wer von Bonn her mit der Eisenbahn kommt und das Bild der kölnischen Neustadt an sich vorüberziehen läßt, der wird den phantastischen Tempel mit dem grünen Dach nicht übersehen, der aus den Neubauten aufragt und der Neustadt eine originelle Charakteristik giebt. Der Bau ist leider zwischen Miethäusern eingeklemmt, so daß nur seine Stirnseite in der Nähe wirkt. Vor diese Stirnseite schieben sich flügelartig zwei Wohnungsbauten aus dem gleichen braungelben Gestein und den