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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1899-06-01 · Heft 6 (1.6.1899) · p. Seite 134

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
19 (1899)
Issue
Heft 6 (1.6.1899)
Date
1899-06-01
Page
Seite 134 (sequence 14)
Language
German
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134 erwecke» die Begeisterung des Volkes, die sich in einem innigen und gewaltigen Dank- und Loblied Luft macht. Der zweite Teil des Oratoriums bringt nun die Katastrophe selber, in ergreifenden Prophetensätzen wiederum durch eine Engelsstimme angekündigt. Von neuen! mahnte ein Bote das Volk, diesmal aber zum Kampf gegen das nahende Heer des Titus, dessen Furchtbarkeit mit jesajanischen Worten geschildert wird. Während die Christen die Stadt verlassen, rüstet sich die Schaar der Juden zum Krieg. Vergebens bietet Titus ihnen freien Abzug und die Rettung des Tempels an; die Hoffnung auf die Hilfe Gottes läßt die Belagerten, an ihrer Spitze den Hohenpriester, solch' Anerbieten znrückweisen. So giebt denn Titus den Befehl zum Sturm. Voll Verzweiflung tötet sich der Hohepriester mit den Seinen. In das Weherufen des Volkes und den Jammer der Gefangenen mischt sich das Triumpfgeschrei der Römer und die hohnvolle Ansprache des Feldherrn an sein Heer, daß die Gottheit selber es gewesen, die die Juden aus seinem Bollwerk vertrieben habe. Auf diesem mächtigen Sturm von widersprechenden Gefühlen folgt denn als Schluß die trostreiche Verkündigung: „Und der Herr wird alle die Thränen abwischen von« Angesicht und wird in jeglichem Land aufheben die Schmach seines Volkes." Der glückliche und geschickte Text gelangte in der musikalischen Bearbeitung Klughardts zur mächtigsten Wirkung. Für die Tiefe und Innigkeit der Prophetenmahnungen fand der Komponist ebenso ergreifende Töne wie für das wilde Kampfgeschrei beim Sturm der Römer, und das machtvolle Danklied des Volkes ob der Botschaft vom Tode des Tyrannen reißt den Hörer nicht minder gewaltig fort wie das rührende Klagelied der Frauen um das fürchterliche Ereignis der Zerstörung aller Pracht und allen Glanzes. Für uns sind auch hier wiederum die historischen Züge von speziellem Interesse, mit welchen der kenntnisreiche Meister sein Oratorium ausgestattet hat. Ganz besonders charakteristisch ist in dieser Hinsicht der erwähnte Dankpsalm des Volkes, der nach mächtigem Hallelujah mit historischer Treue in Reigentanz und Harfenspiel ausmündet. Am Schlüsse desselben lädt der Hohepriester das Volk zuni Opfer ein, welches zu Beginn und Schluß — wiederum an die Tradition auklingend — von drei dreimal sich wiederholenden Posaunenstößen verschiedener Modulation begleitet wird. Eine eingehende musikalische Würdigung des großen Werkes kann natürlich hier nicht unsere Aufgabe sein; diese letztere ist erfüllt mit der Anteilnahme, die wir auch vom religiösen Standpunkt jedem schönen und edlen Menschenwerke entgegenbringen, gewißlich einem solchen, dessen Inhalt für uns solch' besonderes Interesse hat wie die „Zerstörung Jerusalems", und dessen meisterhafte Ausführung unwillkürlich uns jenen alten Segensspruch auf die Lippen ruft: Gepriesen der Herr, der von seiner Weisheit einem sterblichen Menschenkinde verliehen! Dr. Freudenthal.

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