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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1899-06-01 · Heft 6 (1.6.1899) · p. Seite 132

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
19 (1899)
Issue
Heft 6 (1.6.1899)
Date
1899-06-01
Page
Seite 132 (sequence 12)
Language
German
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132 Strömung der jüdischen Diaspora ansah, erkannte er nunmehr in der schon lange auf Grund der philonischen und sibillinischen Litteratur verinuteten radicalen Strömung der jüdischen Diaspora die Gnostiker und ihre Sekten wieder, wie sie uns sonst erst in der späteren christlichen Zeit entgegentreten. Die antinomistischen Gnostiker: die Ophiten, welche, abgesehen von ihren kosmogenischen und theosophischen Speculationen die Schlange verehrten, weil sie den Menschen die Erkenntnis des Guten und Bösen (die Gnosis) gebracht und eine Jncarnation der „göttlichen Sophia" sei; die Kainiten, welche Kain als die „göttliche Dynamis" verherrlichten; die Sethoiten, welche Seth für den Messias hielten, und die Melchisedikianer, die den alttestainentlichen Helden Melchisedek für eine „große Dynamis" ansahen, diese Gnostiker finden sich, was bisher nicht erkannt wurde, in den älteren jüdischen Schriften der griechischen Diaspora wenn auch nicht mit Namen, so doch ihrem Wesen nach genau gezeichnet. Den Schlüssel zu dieser Entdeckung bot aber der Talmud, der bisher nach dieser historischen Richtung weder von christlichen noch auch von jüdischen Gelehrten ausgebeutet wurde, so daß die allgemeine Ansicht dahin ging, der Talmud habe für die Geschichtsforschung wenig oder fast gar keine Bedeutung. Wie ein Mißverständnis oft, auf Treu und Glauben von einer wissenschaftlichen Autorität übernommen, wenn es, ohne kritisch geprüft zu werden nachgebetet wird, zu unheilvollen Consequenzen führen kann, ist zu interessant, als daß wir nicht hierin lieber der Darstellung des Verfassers der Schrift über den vorchristlichen jüdischen Gnosticismus folgen. (Schluß folgt.) Die Zerstörung Jerusalems. Oratorium von August Klughardt. Text von Leopold Gerlach. Das XII. Anhaltische Musikfest, das in diesem Jahre in Dessau gefeiert wurde, brachte am ersten Tage (6. Mai) das längst mit Spannung erwartete neue Oratorium des Dessauer Hofkapellmeisters Herrn August Klughardt: „die Zerstörung Jerusalems." Das Werk hinterließ dank seines vorzüglichen Inhalts wie seiner glänzenden Aufführung den tiefsten Eindruck, und es scheint mir gerechtfertigt, auch an dieser Stelle ihm einige Worte zu widmen. Zwar ist die Kunst interkonfessionell und international, vor allem die Tonkunst, die an das Gefühl appelliert, und dieses kennt gewißlich keine Schranken, welcher Art sie auch sein mögen. Aber wenn der Vorwurf eines Kunstwerks sich auf solch' historischem Untergründe aufbaut, wie in einem Tongebilde, das Jerusalems Zerstörung schildern will, dann darf unser speziell jüdisches Interesse zu ihm Stellung nehmen. Ist dieses Interesse doch viel vorurteilsloser als das jenes geistlichen Kritikers, der in dem neuen Oratorium ein spezifisch evangelisches Werk erblickte, weil an einer Stelle

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