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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1899-06-01 · Heft 6 (1.6.1899) · p. Seite 127

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
19 (1899)
Issue
Heft 6 (1.6.1899)
Date
1899-06-01
Page
Seite 127 (sequence 7)
Language
German
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127 Interessen zu steuern. R. Mose b. Isaak aus Couch muß hier in erster Reihe erwähnt werden. Er bereiste viele Länder, um durch seine Reden und Ermahnungen de» erschütterten Glauben zu befestigen und die eingetretene religiöse Lauigkeit zu geißeln?) Zu diesem Zwecke hat er ein beträchtliches zweibändiges Werk: Semag* 2 * * 5) über die Ge- und Verbote, mit Bezugnahme auf die einschlägigen Bibel- und Talmudstellen und mit Berücksichtigung der Ansichten und Diskussionen früherer Lehrer und Coinmentatoren, in übersichtlicher Klarheit verfaßt und dem geschwundenen liefern Verständnis angeinessen leichtfaßlich dargestellt. Seine Bemühungen hatten einen segensreichen Erfolg. Auch Samuel genannt 8ir Morel oder Samuel aus Falaise, Lehrer des R. Meir von Rotenburg hat sich in jener Zeit große Verdienste um das Talmudstudium erworben. Trotzdem es ihm an den notwendigen Büchern mangelte, legte er eine neue Tossafotsammlung an. Auch unsere Tossafot zu Tractat Aboda Sarah gehören nach Zunz ihm. Ferner muß Isaak b. Joseph aus Oorbeil, ein jüngerer Zeitgenosse von Samuel aus Falaise, Schwiegersohn und Jünger des R. Jechielb) hervorgehoben werden. Er verfaßte, damit wenigstens die Endresultate langjährigen Forschens und unsäglichen Fleißes nicht verloren gingen, ein zeitgemäßes und leichtfaßliches Buch Semak?) einen Auszug aus dem Semag, als kurzen Leitfaden für die religiöse Praxis, und um seinen Glaubensgenossen auch die in der Verbannung und Zerstreuung zu beobachtenden Gebote und religiösen Pflichten zu vergegenwärtigen. Er sorgte daher auch für dessen rasche und allgemeine Verbreitung, wie aus der Einleitung zu demselben deutlich hervorgeht. Noch andere berühmte und verdienstvolle Persönlichkeiten dringen aus jener trüben Zeit wie wohlthätige Licht-Strahlen hervor. Elieser aus Touques (Normandie) und R. Moses b. Jomtob aus Evreüx haben Tossafot geschrieben. Auch Perez b. Elia aus Corbeil, Schüler Jechiels, berühmt als Verfasser vieler Tossafot, hatte noch viele Talmudjünger, darunter sich mehrere durch Schriften hervorgethan haben?) Wirsehen also, wie sehr Jechiel, seine Zeitgenossen und Jünger nach Kräften gestrebt haben, das Talmudstudium im Gange zu erhalten. Auch die Parteiungen und Zerwürfnisse innerhalb des Judentums, welche die Schriften des Maimonides heraufbeschworen hatten, haben aufgehört. Man fühlte allgemein, daß Eintracht und einheitliche Kraft zur Hebung der jüdischen 'Interessen von Nöten sei. Denn nach dem Tode Blanca's (1252), welche durch ihre Energie und die Gewalt, die sie über den König gehabt, so manches unheilvolle Beginnen ybwehrte, und nach der bald darauf erfolgten Rückehr des letzter» von dem unglücklichen Kreuzzuge traten düstere Tage für die französischen Juden ein. Dieses abenteuerliche Unternehmen hatte das Land in Armut gestürzt. Um nun der Geldbedürftigkeit des Staates 'J Siehe die Einleitung zu den beiden Teilen des Semag. 2) Das große Buch der Pflichten H. Sefer mizwoth gadol. ai Schalscheleth Hakkabalah 08, a; Jochasin 133, a. *) Das kleine Buch der Pflichten Seker mizwoth katan. 5; Schalscheleth Hakkabalah p. 58, a.

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