Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 19 (1899)
- Issue
- Heft 6 (1.6.1899)
- Date
- 1899-06-01
- Page
- Seite 125 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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125 Forderung. Nachdem der Jude vergebens um Gnade gefleht hatte, wandte er sich' an den Papst Sixtus V., der Beide wegen dieser leichtsinnigen Wette zu einer empfindlichen Strafe verurteilte. Schließlich hob der Vortragende noch den geringen Antheil der Juden am Verbrechen hervor und bezeichnet es als eine Schande, daß die Juden, denen gerade die sittliche Integrität das höchste Gut sei, von manchen politischen Vereinen und sonstigen Clubs der sogenannten guten Gesellschaft fern gehalten wurden. „Jeder Jude ist für die Handlungen irgend eines seiner Glaubensgenossen verantwortlich gemacht worden. Aber gerade der Jude ist im Verkehr mit seinen Nebenmenschen besonders ehrenhaft. Geld verdirbt bisweilen den Charakter sowohl bei Juden wie bei Nichtjuden. Findet man nicht einzelne widerwärtige Emporkömmlinge überall in der amerikanischen Gesellschaft? Die übertriebene Sucht nach Gold ist die Sünde des Tages. Wenn wir Gott so liebten, wie wir das Gold lieben, so würden wir binnen Kurzem Engel sein. Die Zeit kommt, da ein neuer Morgen für die Juden anbricht. Amerika, nicht Palästina ist das jüdische Mekka. Ganz allmählich und unmerklich ist Amerika das jüdische Kanaan geworden." TaLmu-anktagen im Wittetatter. (Schluß.) In Frankreich hat man auch fernerhin die Unterdrückung aller Erzeugnisse der jüdischen Litteratur mit Strenge betrieben. Als Jnnocenz IV. durch die Klagen, vielleicht durch das Geld der Juden sich günstiger gegen den Talmud stimmen ließ und deshalb dem Kanzler und Cardinal-Legaten Odo von Paris auftrug, denselben noch einmal und sorgfältig prüfen zu lassen, ob er nicht „ohne Verletzung des christlichen Glaubens" geduldet werden könnte, erwidere dieser in einem Schreiben vom Mai 1248*) dem Papste: Es wäre eine ewige Schmach für den apostolischen Stuhl, wenn er (der Papst) den Beschluß seines Vorgängers, dem zufolge jene Bücher feierlich in Gegenwart des Clerus, des Volkes und so vieler Gelehrten verbrannt worden sind, rückgängig machen würde- Er (Odo) habe durch eine hierzu ernannte Commission eine nochmalige Revision vornehmen lassen; das Ergebnis aber habe sich als dasselbe herausgestellt, wie unter dem früheren Oberhaupt der Kirche. Odo hat hierauf einen strengen Befehl zur Vernichtung der noch vorhandenen talniudischen Bücher erlassen. Später hat auch Ludwig der Heilige die Verurteilung des Talmud erneuert. Im Jahre 1254 erließ er ein Decret, daß so oft ein Talmudexemplar oder eine andere verwandte Schrift zum Vorschein käme, sie sogleich zu vernichten sei. Die Folgen solchen Verfahrens waren für das Talmudstudium l) Cod. Sorbon. Ms. p. 5.