Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 19 (1899)
- Issue
- Heft 6 (1.6.1899)
- Date
- 1899-06-01
- Page
- Seite 124 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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124 Sprachen erwähnt Redner die Methode des jüdischen Gelehrten Ollendorf. Auch der hohe Rang, den die Juden im Schachspiele einnehmen, bleibt nicht unerwähnt. Besonders befähigt erscheinen ihm die Juden für die Jurisprudenz. Als Beispiel hierfür erwähnt er den amerikanischen Juristen Judah P. Benjamin, der eine Zeit lang im Senate der vereinigten Staaten eine hervorragende Stellung eingenommen hatte und dann als practischer Jurist nach England ging, wo er zu so hohem Ansehen stieg, daß ihn bei seinem Tode Sir Charles Rüssel als den Führer der englischen Juristen bezeichnete. Unter den Staatsniännern jüdischer Abstamniung nennt er Gambetta, Lord Beaconsfield (vormals Disraeli), den englischen Großkanzler Lord Herschell (Sohn eines deutschen Juden). Auf finanziellem Gebiete haben die Juden zwar seit mehreren Jahrhunderten sehr Bedeutendes geleistet. Aber Capital und Juden sind deswegen doch noch nicht identisch. Dafür zeugt die Thatsache, daß unter den Führern der Socialisten viele Juden sind. Die Meinung, daß alle Juden reich seien, ist nur dadurch aufgekommen, daß die jüdischen Armen niemals der Allgemeinheit zur Last fallen, weil die Juden selbst für sie sorgen. Die Juden sind das ärmste von allen Völkern. Wenn ihr Gut capitalisirt und gleichmäßig unter sie verteilt würde, so würden sie auf der Stufenleiter des Wohlstandes eine sehr niedrige Stelle einnehmen. Durch die vielen Verfolgungen und Beschränkungen sind die Juden genötigt worden, Kaufleute zu werden. Da in früheren Zeiten der Handel die einzige ihnen erlaubte Beschäftigung war. so wurden sie naturgemäß darin besonders geschickt. Um ihr Eigentum vor adeligen Räubern zu schützen, mußte es beweglich sein; so wurde es namentlich häufig in Juwelen angelegt. Daher giebt es so viele Juwelenhändler unter den Juden. Nach diesen allgemeinen Auseinandersetzungen über die Charaktereigenschaften und die hauptsächligen Beschäftigungen der Juden geht der Redner auf den Charakter des Shylock im „Kaufmann von Venedig" ein und hebt hervor, daß dieser weder in der Wirklichkeit Vorkommen noch durch die jüdischen Gesetze irgendwie begründet sei. Als Shakespeare seinen „Kaufmann von Venedig" schrieb, gab cs in England seit 300 Jahren keine Juden mehr, die Skandalgeschichten, die über sie in Umlauf waren, konnten daher in keiner Weise an der Hand der Wirklichkeit geprüft oder widerlegt werden. Die geschichtliche Grundlage zu der Shylock- Erzählung findet sich in einer Lebensbeschreibung des Papstes Sixtus V. und zeigt uns gerade das. entgegengesetzte Bild wie bei Shakespeare. Dort heißt es, daß im Jahre 1587 ein italienischer Edelmann einem jüdischen Bekannten erzählte, Francos Drake habe San Domingo erobert. Der Jude wollte es nicht glauben und wettete um 1 Pfund von seinem Fleische, daß die Nachricht nicht wahr sein könne, wogegen der Edelmann 1000 Scudi für seine Behauptung einsetzte. Als sich dann doch die Wahrheit des Berichtes bestätigte, bestand der Christ auf seiner