Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 19 (1899)
- Issue
- Heft 6 (1.6.1899)
- Date
- 1899-06-01
- Page
- Seite 123 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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123 Erst die Verfassung des norddeutschen Bundes räumte mit diesen Ungleichheiten auf und befreite die Juden von dem „mittelalterlichen Joche", das sie noch getragen hatten. Seitdem haben die Juden im deutsch-französischen Kriege ihren Patriotismus in hervorragendem Maße bewiesen. Für die militärische Tüchtigkeit der Juden in Frankreich spricht die Thatsache, daß im Jahre 1892 die französische Armee 300 jüdische Offiziere zählte. In England, wo Eduard I. 1290 alle Juden verbannt und erst Cromwell sie wieder ausgenommen hatte, erlangten sie nicht eher volle bürgerliche Rechte, als bis sie ihre Liebe zum Vaterlande genügend bewiesen hatten. Erst 1858, als Baron Lionel v. Rothschild ins Parlament eintrat, nachdem die allgemeine Forderung des Eides auf deu christlichen Glauben abgeschafft war, konnte die Emancipation der Juden i» England als vollendet gelten. Augenblicklich giebt es 700 Juden in der Streitmacht ihrer Majestät; darunter sind 144 Offiziere. In Amerika selbst leisteten die Juden namentlich für die Sache der Unabhängigkeit mehr, als auf ihren Teil kam, und manche von ihnen opferten ihr Vermögen für die gute Sache, andere zeichneten sich auf dem Schlachtfelde aus. Von den frühesten Zeiten der Republik bis zur Gegenwart haben sich die Juden sowohl i» der regulären Armee wie in der Marine der Vereinigten Staaten bedeutend hervorgethan und haben es in jeder Waffengattung zu einem ansehnlichen Record gebracht. Im Bürgerkriege zwischen den Nord- und Südstaaten 1861—65 spielten die Juden eine so bedeutende Rolle, daß es schwer ist, einzelne Beispiele herauszugreifen. In beiden Armeen zusammen befanden sich ca. 7800 Juden. In dem letzten Kriege trugen mehr als 4000 Juden gegen Spanien die Waffen. Sie kämpften besonders tapfer vor Manila und vor Santiago di Cuba. Es kam überhaupt in dem Kriege gegen Spanien kein Gefecht vor, an dem nicht Juden einen hervorragenden Anteil »ahmen. Darauf bespricht der Redner die glänzende Bethätigung der Juden in Kmist und Wissenschaft in den verschiedensten Ländern. Unter den Dichtern nennt er vor allem Heine, den Matthew Arnold als den „hervorragendsten Nachfolger Goethes auf G's bedeutendstem Schaffensgebiete" bezeichnet, sodann die Romanschriftsteller Auerbach und Disraeli, von jetzt lebenden Nordau und Zangwill. Auch unter den hervorragendsten Dramatikern gab es viele Juden. Bon Bühnenkünstlern ersten Ranges erwähnt er vor allen Sarah Bernhard und Junius Brutus Bvoth. Am meisten feiert er die Leistungen der Juden in der Musik und nennt Namen wie Meyerbeer, Anton Rubinstein, Moritz Rosenthal, Pauline Lucca und die Familie Damrosch. In der Malerei hebt er Josef Israels und Salomon I. Salomon hervor. Auf wissenschaftlichem Gebiete zeigen sich die Fähigkeiten der Juden durch die vielen Professuren, die sie in den verschiedensten Zweigen der Wissenschaft bekleiden; der medicinischen Facultät der Universität Wien gehören allein 12 Juden an. Als besonders vorzüliche Methode zur Erlernung der modernen