Mannheim
Compact Memory

Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1899-05-01 · Heft 5 (1.5.1899) · p. Seite 117

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
19 (1899)
Issue
Heft 5 (1.5.1899)
Date
1899-05-01
Page
Seite 117 (sequence 21)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2969669-2969865-2969871--5701-2975012
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

117 dessen Thätigkeit eine bedeutsame Art im wirthschaftlichen Leben in Wien etablirte. Anfangs der Vierziger-Jahre kam er als armer Schneidergeselle aus Paris, wo er die Herrennwde studirt hatte, auf seiner Wanderschaft nach Wien und begann mit der Erzeugung fertiger Kleidungsstücke, die er in seiner bescheidenen Wohnung, einer Mansarde in einem Hause der Goldschmidgasse verkaufte. Die Neuheit gefiel. Rothberger gründete bald einen Laden auf dem Stefansplatze, bis im Laufe der Jahre aus dem kleinen Geschäfte das heute bestehende Etablissement entstand. — In Wien fand die feierliche Enthüllung des Denkmals für den verstorbenen Professor der Augenheilkunde an der Universität Herrn Ludwig Wauthner statt. Der Nachfolger des Verstorbenen im Lehramte, Hofrat Professor Dr. Schnabel, hielt die Rede. — Aus dem Leben des jüngst verstorbenen österreichischen Erzherzogs Ernst wird unter Anderem Folgendes mitgeteilt: Eine besondere Vorliebe hatte Erzherzog Ernst für jüdische Lieder. Er wußte die Melodieen sämtlicher jüdischer Gebete und Psalmen nach deutscher und polnisch-jüdischer Art zu pfeifen, ebenso alle Couplets der polnisch-jüdischen Sänger. Seine Vorliebe für diese Melodien war so groß, daß man ihm in Wien zumutete, er habe die jüdischen Melodien zu den Texten des bekannten Volkssängers Ludwig Eröß, genannt der „schöne Dowidl", komponirt. — Erzherzog Ernst gab in den 50er Jahren in Wien eine Tafel, zu welcher auch ein damals vor kurzem geadelter jüdischer Börsenmillionär geladen war. Als dieser den Speisensaal betrat, stimmte die Militärkapelle plötzlich altjüdische Weisen an. Der Millionär stutzte und stand verlegen da, der Erzherzog aber rief ihm lachend zu: „Nur vorwärts, Potentaten werden immer mit ihren Volkshymnen empfangen!" — Der verblichene Erzherzog bekundete überhaupt lebhaftes Interesse für jüdisches Wissen und nahm einmal in Groß-Kanizsa Gelegenheit, den damaligen Oberrabbiner Faßl anznsprechen, ihn um Auskunft über Judaica befragend. Der hohe Herr zeigte sich sehr erfreut darüber, aus dem Munde dieses Rabbiners zu erfahren, wie eifrig die Gemahlin des unvergeßlichen Erzherzog-Palatin Josef, Maria Dorothea, sich, mit dem Studium des Hebräischen befaßt habe. — Der Tod der Frau Baronin Glara von Hirsch-Gereuth hat in den weitesten Kreisen schmerzliche Trauer und innige Teilnahme hervorgerufen, die in zahlreichen Kundgebungen ihren Ausdruck fand. Sie war die edelste Menschenfreundin die in hochherziger, Weise mit vollen Händen spendete ohne nach Nation und Confession zu fragen und die durch ihre Stiftungen auch nach ihrem Tode noch segensreich wirkt. Sie zählt zu den großen Frauen in der Geschichte des Judentums, deren Wirken zum dauernden Segen gereicht. — In Paris starb Frau Coralie Gahen, die nach dem deutschfranzösischen Kriege oft und rühmlich erwähnt wurde. Während des Krieges war sie auf den Schlachtfeldern und pflegte die Verwundeten mit solcher Hingebung und Treue, daß die Kaiserin Augufta ihr später selbst das rothe Kreuz der Genfer Konvention, das sie getragen hatte, einhändigte. Es war dies, als Frau Sahen,, welche über bedeutende eigene Mittel verfügte, nach dem Kriege die französischen

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.