Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 19 (1899)
- Issue
- Heft 5 (1.5.1899)
- Date
- 1899-05-01
- Page
- Seite 118 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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118 Kriegsgefangenen überall in den deutschen Städten, Hospitälern, und Festungen aufsuchte, keine Mühsal und kein Opfer scheute, sich bei den Behörden für sie verwandte und die Gemahlin Kaiser Wilhelms die tapfere Französin zu sehen wünschte. Von dem Kriegsminister de Freyeinet wurde Frau Coralie Cahen vor zehn Jahren das Kreuz der Ehrenlegion verliehen. — Der Ingenieur George Lewy in Kam, welcher bem Hospital für arme Kinder 500,000 und dem Asyl für verlassene Kinder 25,000 Lire gespendet hat, ist vom Könige mit dem Titel eines Barons v. Trezze ausgezeichnet worden. — Zum erstenmale wohl hat sich eine Dame als Elektrotechniker ausgezeichnet. Frau Prof. W. Ayrton, geb. Marks, eine Jüdin, hielt in der Londoner Ingenieur-Gesellschaft einen Bortrag über den elektrischen Bogen, der sehr beifällig aufgenommen wurde. In der Discussion wurde die Dame ersucht, den Gegenstand in einem Buche zu bearbeiten — Ein edler Christ, Robert Waefir von Airds und Oban in London hat eine Summe von 100,000 Mark hinterlassen, welche seine Testamentvollstrecker für arme Juden verwenden sollen. In Codizill sagt der Erblasser: „Ich habe große Sympathie mit jenen armen Juden, die von mißgeleiteten Autokraten in Europa verfolgt werden, welche glauben, daß ihnen die Macht gegeben ist, die Welt nach ihrem Wunsch zu ändern, die eine Einöde schaffen und dies Frieden nennen." — Die italienischen Freimaurer haben auch in diesem Jahre wieder einen Juden, Ernesto Uathan, zum Großmeister ihres Ordens erwählt. - Am 15. April feierter der emeritierte Rabbiner Herr 0r. Lewyson in Stockholm seinen achtzigsten Geburtstag Zuerst S^/a Jahre in Frankfurt a. M. als Religionslehrer, dann 61/a Jahre als Prediger in Worms thätig, wurde er als Rabbiner nach Stockholm berufen, wo er bis zu seiner Pensionirung vierundzwanzig Jahre erfolgreich wirkte. Seinen wisseuschaftlichen Ruf in der Gelehrtenwelt begründete er durch Herausgabe seines Hauptwerkes „Die Zoologie des Talmuds". Unter anderen erhielt er auch von Alex. v. Humboldt eine schmelchelhafte Zuschrift, die das Werk als eine Hervoragende Leistung charakterisirte. — In Wilna starb der Schriftsteller Kaümann Schumann. — Abraham B. Gottlober einer der bedeutendsten Vertreter der neuhebräischen Litteratur ist 88 Jahre alt gestorben. Er stammte aus Alt-Konstantin in Rußland und erhielt die ersten geistigen Anregungen durch Joseph Perl. 1866 — 1872 war der Verstorbene Docent an der Rabbinerschule in Zitoniir. 1875 begann er mit der Herausgabe der Zeitschrift „Haboker Or" in welcher er mit Entschiedenheit für Fortschritt und Fortentwicklung des Judentums eintrat. Der nioderneu Zionistischen Bewegung stand Gottlober fern. — Die Feier des 80. Geburtstages des Rabbiners Ur. Jsac M. Wise wurde in Einrinatti gefeiert. Ihm zu Ehren tagte der Rabbinerverband, dessen Schöpfer und Präsident Wise ist an diesem Tage in Cincinatti. Der Jubilar wurde am 29. März 1819 in Steingrub (Böhmen) geboren und kam 1846 nach Amerika. Er hat für das amerikanische Judentum Großes geleistet. Es ist der Begründer der „Union of America» Hebew Congregations" und des „Hebrew Union College"