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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1899-05-01 · Heft 5 (1.5.1899) · p. Seite 113

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
19 (1899)
Issue
Heft 5 (1.5.1899)
Date
1899-05-01
Page
Seite 113 (sequence 17)
Language
German
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113 §. fnjitlslii) in Gablenz bei Gassen, Provinz Brandenburg, jüdische landwirthschaftliche Eleven Aufnahme und Gelegenheit, sich nicht nur in der praktischen, sondern auch in der theoretischen Landwirthschaft auszubilden. Einige Zöglinge sind bereits anfgenvmiiien, darunter einer, der die jüdische Gärtnerschule in Ahlem durchgemacht hat. Di'. Papilsky, der bereits vor neun Jahren in verschiedenen jüdischen Blättern für Gründung von Vereinen zur Ausbildung jüdischer Landwirthe eingetreten ist und im Jahre 1892 mit dem Baron Hirsch darüber eingehend konferirt hatte, beabsichtigt nun, wenn eine Anzahl geeigneter jüdischer junger Leute sich meldet, eine jüdische landwirthschaftliche Privatschule zu organisiren. Ferner hat Dr. Papilsky, um weiter Propaganda für die Sache machen zu können, es übernommen, ein Adreßbuch der jüdischen Gutsbesitzer, Gutspächter und Inspektoren re. herauszugeben. — Das deutsche Judentum betrauert den Tod eines seiner größten Söhne, des Professor Dr. Haim Steinthal in Kerlin, der in der Nach! vom 13. auf den 14. März im 76. Lebensjahre gestorben ist. Er hat Unvergängliches auf dem Gebiete der Sprachwissenschaft geleistet, der er nicht nur durch seine exacte, gründliche, philosophische Bearbeitung der verschiedensten Sprachen, sondern zugleich durch seine ungemein scharssinnigen Forschungen nach dem Ursprung und den psychologischen Grundlagen der Sprache als solcher neue Bahnen erschlossen hat. Einen großen Teil seiner hervorragenden Geistesarbeit widmete er auch dem Judentume, das er liebte und kannte wie selten Einer. Mit seltener Pietät hing Steinthal an jüdischer Sitte und Tradition und dieser Pietät entsprang auch die von ihm erst vor einigen Jahren gegebene Anregung zur Sammlung der jüdisch-traditionellen Melodien. Seit 1850 docirte Steinthal an der Berliner Universität allgemeine Sprachwissenschaft und Mythologie, lehrte seit 1872 an der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums in Berlin Ethik und Religionsphilosophie und gab gemeinschaftlich mit Professor Lazarus die Zeitschrift für Völkerpsychologie und Sprachwissenschaft heraus. Durch seine hervorragenden wissenschaftlichen Arbeiten, die er in seinen zahlreichen Werken niederlcgte, hat er sich nicht nur in der Geschichte des Judentums, sondern der gesammten Menschheit ein unvergängliches Denkmal gesetzt. — In Gießen starb der emeritierte Provinzialrabbiner Herr Dr. Kenedirt Levi. Er wurde zu Worms am 19. Oktober 1806 geboren, woselbst sein Vater Samuel Wolf Levi Rabbiner war, der im Jahre 1807 dem Sanhedrin in Paris anwohnte und von 1808—1813 Rabbiner in Mainz gewesen. In Mainz besuchte Benedict Levi die Schule Michael Creizenachs (1816—1819). 1829 trat er sein Amt als Rabbiner von Gießen an. Levi war ein Anhänger der Reform, für die er in Wort und Schrift eifrig eintrat. — Im Alter von 76 Jahren ist am 14. März Herr Dr. Ludwig Kamberger gestorben. Mit ihm ist einer jener Männer dahingeschieden, die an der Neugestaltung des deutschen Reiches wesentlichen Anteil genommen haben und durch ihr Streben und Wirken ein glänzendes Zeugnis dafür lieferten, daß die Geschichte Deutschlands manches Ruhmesblatt des deutschen Judentums aufweist.

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