Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 19 (1899)
- Issue
- Heft 5 (1.5.1899)
- Date
- 1899-05-01
- Page
- Seite 112 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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112 gebende Verhältnis aller Menschen untereinander findet alsdann gerade in dem Buch Ruth seinen schönsten Ausdruck. Daselbst steht eine Stammsremde, eine Moabitin, im Mittelpunkte der Erzählung und weiß durch ihre eigene Liebe und Trene die Liebe und Güte aller handelnden Personen auf sich zu vereinen. Gott liebt die Fremden und schärft seinem Volke auf Schritt und Tritt Achtung und Gerechtigkeit gegen diese seine besonderen Schützlinge ein. Die darauf zielenden Gesetze des Pentateuchs sehen wir im Buche Ruth lebendig wirken. Und die höchste Verklärung der stammfremdeii Ruth bildet wiederum den Höhe und Schluß' Punkt des Buches. Sie ist die Ahuin des größten Sängerkönigs David. Edle, heilige Gesinnung ist mehr als Stammesadel, ist selbst der höchste Adel. Im Judentum standen sich oft Partikularismus und Universalismus schroff gegenüber. Aber in seinen größten Geistern vollzog sich eine Verschmelzung beider Richtungen; die Bücher Jona und Ruth sind die vornehmsten Zeugnisse einer solchen. Mit der Aufforderung, sie auch in unsrer Zeit zu vollziehen, und mit der Angabe des Weges dazu, schloß der Redner seine höchst interessanten Ausführungen. — In Siegen hielt Herr Prof. Ströter einen Vortrag über die Zukunft Israels. Er ging von dem dritten Kapitel des zweiten Buch Moses tGott offenbart sich Moses in einem brennende» Dornbusch) aus. In wirklich schöner Weise führte er aus, daß das Volk Israel dem brennenden Dornbüsche gleiche Jahrhunderte lang habe es unter der Wuth und dem Fanatismus der Rationen das brennende Leid ertragen, aber gleich dun Dornbusch sei es doch nicht verzehrt und vernichtet worden, denn es sei das Volk Gottes. Ueber den Antisemitismus sprach Prof. Ströter ein entrüstungsvolles Verdammungsurteil. Man solle doch bedenken, daß sowohl Jesus, wie auch seine Jünger nichts anderes gewesen seien, als Juden, das ganze Ehristentnm sei jüdisch, atme jüdischen Geist! Und wie Gott einst sein Volk aus der Hand der Ägypter unter schweren Plagen befreit habe, so werde er es dereinst wieder befreien unter schweren Plagen aus der Hand der modernen Judenfeinde. Und Jesus, der einstmals wiederkomme, die ganze Menschheit zu erlösen, werde nicht in der Christenheit, sondern unter den Juden erscheinen. — Herr Regierungspräsident v. Krandenstrin besuchte jüngst in Begleitung des Oberregierungsrats v. Fnuck und des Regierungsrats Meyer die israelitische Erziehungsanstalt in Ahlem, welche die Herren einer zweistündigen Besichtigung unterzogen. Sie sprachen sich anerkennend über die Einrichtung der Anstalt, über die dort herrschende Zucht und Ordnung, sowie über die einfache Erziehungsweise und die Leistungen der Zöglinge aus: nicht minder erklärten sie ihre Zustimmung und das Wohlwollen der Regierung für die Bestrebungen, jüdische Knaben von Kleinhandel abzulenken und sie der Landwirthschüft und dem Gartenbau zuzuführen. — Außer der israelitischen Erziehungsanstalt in Ahlem bei Hannover, wo seit einigen Jahren mit gutem Erfolge jüdische Gärtner ausgebildet werden, finden jetzt bei dem Vorstandsmitgliede des „Vereins zur Förderung der Bodenkultur unter den Juden Deutschlands", dem Rittergutsbesitzer vr.