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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1899-05-01 · Heft 5 (1.5.1899) · p. Seite 111

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
19 (1899)
Issue
Heft 5 (1.5.1899)
Date
1899-05-01
Page
Seite 111 (sequence 15)
Language
German
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111 academischen Mitbürgern Wie gern möchte ich sage», aber es ist vielleicht znr Zeit noch eine »»erweisbare optiniistische Behauptung: es giebt in der deutsche» Studentenschaft, es giebt voruehnilich unter unsern Heidelberger Studenten der linparto- Carola keine Gesinnnngsriecherei! Da genügt z. B , wie heute die Stimniung ist, manchmal bloß der einfältige Umstand, daß ein academischer Mitbürger in eineranderen Kirche getauft oder vielleicht auch gar nicht getauft ist, um flugs dem Argwohn Nahrung zu geben, daß hinter dem Brustlatz des Betreffenden vielleicht ein Defect der nationalen Gesinnung zu entdecken sein könnte. Das also sei ferne von uns, meine Herren! Sie müssen sich immerdar gegenwärtig halten: es giebt mancherlei und verschiedene Formen des Patriotismus, und diese sollen sich gegenseitig ergänzen und sachlich corrigiren, aber nicht sich unter einander verketzern! Derjenige hat. das richtige erfaßt, der es versteht oder lernt, sei es auf dem Gebiete der Wissenschaft, der Religion oder des Staatslebens, aus der gegnerischen Meinung den berechtigten Kern herauszufinden." — Der bekannte Hallenser Historiker Heinrich Leo dessen „Vorlesungen über die Geschichte des jüdischen Stammes" in vielen Beziehungen auch heute noch von Werth sind, wurde jüngst anläßlich seines 100. Geburtstages von den Conservativen gefeiert. Es ist interessant, bei dieser Gelegenheit zu konstatire», daß dieser hochconservatlve Parteikämpfer doch über die elende Gehässigkeit des heutigen Antisemitismus weit erhaben war: „Ich sehe darin, daß Jemand ein Jude ist seiner Abstammung nach, nicht das mindeste Unwürdige; im Gegenteil, wenn ich von Abrahams Samen wäre, würde ich in große Gefahr des Stolzes geraten, von so hochsürstlichem Geschlechts zu sein, wie das der Erzvater war, von so welthistorisch adeligem Geblüte wie das Blut Israels. Wäre ich ein getaufter Jude, ich würde selbst als Christ auf die Verbindung mit altjüdischein Geschlechts halten." (Nachschrift zu den „Hegelingen", 1839). — Im Mendelsohn-Vereiu zu Elberfeld hielt Herr Rabbiner I)r. Samnel aus Essen einen Vortrag über die Bücher Jona und Ruth. Der Vortragende ging davon aus, eine Charakteristik der biblischen Literatur überhaupt zu entwerfen, die er als den Niederschlag des religiösen Geistes in Israel bezeichnete und auf lauter vorzügliche, aber verschieden veranlagte Persönlichkeiten zurückgeführt wissen wollte. So zeigten denn auch die von ihm zu besprechenden Bücher eine ganz eigentümliche Färbung und Tendenz. Jona erscheint als eine Prophetenlegende mit deutlich ausgesprochenem lehrhaften Zweck; die in der Schlußermahnung an den Propheten ergehende Weisung ist zugleich der Schlüssel zum Verständnis des. Ganzen Dem ungestüme» Drängen nach dem Strafgericht über die gottlosen Heiden wird die göttliche Barmherzigkeit gegenübergestellt, die den Propheten beschämt, indem sie angesichts der Büßfertigkeit der Bewohner Ninives den Strafzorn überwindet. Also ein Gott der Liebe wird hier gepredigt, vor dem alle Menschen gleich sind, für die er ein liebevoller Vater ist und die wie Kinder leicht den Weg zum Herzen ihres Vaters zurückfinden, so vst sie sich auch gegen ihn verfehlt haben. Das daraus mit Notwendigkeit sich er-

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