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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1899-05-01 · Heft 5 (1.5.1899) · p. Seite 108

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
19 (1899)
Issue
Heft 5 (1.5.1899)
Date
1899-05-01
Page
Seite 108 (sequence 12)
Language
German
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— 108 — aufwärts. Nur streckenweise floß ein kleiner Bach durch das enge Thal, dessen Boden zumeist mit Wüstensand bedeckt ist. Die Bachstrecken waren immer von Palmen und Tamariskenstauden bekleidet. Am Bachesrand wuchs Schilf, eine Art Vergißmeinnicht und eine Anzahl anderer Blumen. Stellenweise herrschten schön grüne, buschige Kräuter mit großen blauvioletten Blüten vor, die für die Kameele giftig sind und von ihnen nie berührt werden. Gegen Abend strömte ans den vielen kleinen weißen Blüten der Ginsterbüsche, welche einzelne Strecken des Tahlbodens bedeckten, ein feiner, jasminartiger Geruch aus. Zwischen solchen Büschen wurde bei Sonnenuntergang in einem wilden Felsthale Halt gemacht. Am nächsten Morgen ging es im Felsthal weiter auswärts, wobei wir im Sande frische Fußspuren eines Panters trafen. Dann wechselten steil ansteigende, zum Theile über Bergsättel führende Strecken, weite Thäler und enge Bergspalten ab. Auf einem hohen Bergrücken reitend, hatten wir Nachmittags längere Zeit freien Ausblick gegen Nordosten auf welliges, an freundliches europäisches Hügelland erinnerndes Terrain. In Wirklichkeit war es die wegen Wassermangel und wegen des Fehlens längerer gangbarer Thäler verrufene Wüste Djebel et-Tih, d. h. das Gebirge der Verirrungen. Mitten in der Felsenwildniß, in der wir ritten, erschien plötzlich ein kleiner Garten mit Palmen und blühenden Obstbäumen. Dann ging es noch einmal über einen Bergsattel, und in einem tiefen Thale wurde das bereits im Schatten der Mittagssonne liegende Sinaikloster sichtbar, von dem eben Glockentöne heraufklangen. Von den zumeist aus Griechenland oder griechischen Teilen der Türkei stammenden Mönchen geführt, traten wir bald unseren ersten Rundgang durch das malerische Gewirr der seit Kaiser Justinian in verschiedensten Stilen aufgeführten Gebäude an. Auch eine Moschee ist in der ersten Zeit der Mohammedaner errichtet worden, als Bedingung für das Bestehenlassen des Klosters überhaupt. Schon die erste Anlage des Klosters war festungsartig gewesen. Jetzt sind die Außenmauern doppelt und von vielen Gängen durchzogen. Gewehre und kleine Kanonen liegen bei den Schießscharten bereit. Ein Betreten des Klosters wird nur den im Dienste der Mönche stehenden Mohammedanern gestattet. Reich ist es an Weihgeschenken, welche zumeist aus Rußland stammen und aus Bildern, sowie aus Edelstein- und Goldgegenständen bestehen. Eine Anzahl berühmter, zumeist ans die Religion Bezug habender alter Handschriften ist hier entdeckt worden. Die Hauptbeschäftigung der jetzigen Mönche ist das Gebet. Große Sorgfalt verwenden sie auf den benachbarten, auch etwas vortrefflichen Wein liefernden Klostergarte» und auf die Instandhaltung der zahlreichen, in der Umgebung des Klosters befindlichen Kapellen und der zu ihnen führenden Wege. Einen-dieser Wege schlugen wir, von einem jungen russischen Mönch und einem als Träger fungirenden Araber begleitet, am nächsten Morgen ein, nämlich den Felsensteig auf den Djebel Musa (Mosesberg). Knapp hinter der Südseite des

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