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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1899-05-01 · Heft 5 (1.5.1899) · p. Seite 109

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
19 (1899)
Issue
Heft 5 (1.5.1899)
Date
1899-05-01
Page
Seite 109 (sequence 13)
Language
German
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109 Klosters (1528 Meter) erhebt sich eine steile Felswand, an welcher das erste Stück der „Pilgertreppe" emporführt, rasch einen Ueberblick über die Umgebung des Klosters gewährend. Oben trifft man eine Bergeinsattlung, in der eine Kapelle liegt, welche der „Panagia economista" geweiht ist. Nach der in der Kapelle bildlich dargestellten Legende hatten einmal — im Mittelalter, als noch die Spenden aus der fernen christlichen Welt weniger reichlich und regelmäßig einliefen als jetzt — wegen Hungersnot die Mönche des Sinaiklosters den Beschluß gefaßt, auszuwandern. Der für das leibliche Wohl der Klosterbrüder verantwortliche Oekonomos flehte an der Stelle der jetzigen Kapelle die Mutter Gottes (Panagia) uni Schutz für sich und sein Kloster an, den sie ihm in einer Vision auch versprach. Bald nachdem er znrückgekehrt war, langte eine von einer Frau geführte Karawane von 40 Kameelen mit Lebensmitteln vor dem Kloster an- In der Einsattlung weiter gehend, hat man bald Ausblicke auf die im Süden befindliche Hochgebirgslandschaft. Dann trifft man eine gegen Westen gerichtete enge Felsschlucht, in welche der Weg einbiegt. Bis auf die Spitze des Mosesberges ist der Pfad überall dort, wo er steil ansteigt, mit rohgefügten Steinstufen versehen: im Ganzen sollen es 3000 sein. In der wenig ansteigenden Felsschlucht überspannen an zwei Stellen pfortenartige, die Felswände verbindende Steinbögen den Weg, ähnlich wie es in mittelalterlichen Städten zuweilen zwischen Häusern der Fall ist. Wenn man aus der Felsschlucht heraustritt, erblickt man einen kleinen, durch eine künstliche Thalsperre gebildeten Teich, welcher zur Bewässerung von Gartenanlagen während der Sommermonate dient. Eine riesige Cypresse steht daneben. Die schroffen und kahlen Felswände rundum zeigen manche Spuren gewaltiger Bergstürze und sind mit mannigfachen Zacken versehen. Unter den letzteren ragten ganz nahe die Djebel Müsaspitze und in weiterer Entfernung gegen Südwesten der etwas höhere Djebel Katherin hervor. In Schluchten der Nordseite dieses Berges war seit den wenigen kalten Winterstürmen noch etwas Schnee übriggeblieben, trotzdem während der letzten Wochen in den tieferen Thälern der Sinaihalbinsel bereits drückende Hitze geherrscht hatte, unter welcher die Steine manchmal Glühhitze auszustrahlen schienen. Etwas oberhalb der Riesencypresse am Teichesrande befindet sich eine dem Propheten Elias gewidmete Kapelle. Es wird in ihr die Grotte gezeigt, in welcher der für den Jehovakultus rücksichtslos eifernde Prophet nach der von ihm auf dem Berge Karmel (Palästina) veranlaßten Tötung der 450 Baalspriester geweilt hat, als er sich 40 Tage lang durch die Wüste hierher geflüchtet hatte. Nun noch 3li Stunden eine sehr steile Berglehne hinan, und die Höhe des Berges Sinai war erreicht. Der Gipfel trägt eine kleine Kirche und eine kleine Moschee; in ersterer entzündete der Mönch am ewig brennenden Oellämpchen Weihrauch, in letzterer ließ er den Araber Thee für uns kochen. Steil und tief senken sich nach allen Seiten die Granitwände des Berges, um dann sogleich wieder zu ebenso hohen oder etwas höheren Bergen anzusteigen. Nur an wenigen Stellen giebt es

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