Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 19 (1899)
- Issue
- Heft 5 (1.5.1899)
- Date
- 1899-05-01
- Page
- Seite 107 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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107 Gin Meines) des Sinai. Vier Sommer hatte ich auf dem österreichisch-ungarischen Kriegsschiff „Pola" im östlichen Mittelmeer und eine Maiwoche auf „Taurus", dem österreichischungarischen Stationsschiff von Koustantinopel, im Marmarameer zum Zwecke chemischer Untersuchung der Meerestiefen (bis 4400 Mtr.) zugebracht und dabei weite Gebiete des Orients kennen gelernt, bevor ich an der Expedition der „Pola" in der nördlichen Hälfte des Roten Meeres teilnahm, welche vom Oktober 1895 bis Mai 1896 währte und ebenso wie die früheren Expeditionen von der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften in Wien angeregt und ausgerüstet worden ist. Aus der großen Zahl von Beobachtungen und Erlebnissen auf der Sinaihalbinsel ist das Folgende, als vielleicht auch weitere Kreise interessireud, herausgegriffen. Mitte März 1896 war es uns, Hvfrat F. Steindachner, dem leitenden Zoologen der Expedition, und mir, durch ein günstiges Ziisammentreffen der Umstände möglich, von Tor, der großen Quarantänestation aus, wo der maritime Teil der vierten, den Golf von Suez betreffenden Kreuzung beendet war, eine sechstägige Tour in das Innere der Sinaihalbinsel, zum Sinaikloster und auf den Mosesberg (Berg Sinai) zu unternehmen. In landesüblicher Art wurde die Hin- und Rückreise zum Kloster auf Kameelen gemacht. Zusammen mit den fünf. malerisch gekleideten und bewaffneten Beduinen, welche als Eskorte und zur Wartung unserer Kameele mitgingen, eine kleine Karawane bildend, verließen wir Mittags Tor, um zunächst in 6 Stunden die Sandwüste el-Kaa zu queren, die sich zwischen dem mit einigen Palmenhainen besetzten Meeresstrand und dem Sinaigebirge hinzieht. Ein kleines, nahe beim Städtchen Tor gelegenes Stück der Wüste wird für die Quarantäne benützt, in der Art, daß in langen Zeltreihen Tausende von Mekkapilgern unter ärztlicher Aussicht und unter militärischer Absperrung untergebracht werden. Ueber dieses.zur Zeit nur teilweise besetzte Feld reitend, stießen wir auf viele traurige, von Hyänen hinterlassene Zeichen der zahlreichen vor drei Jahren durch Cholera veranlaßten. Todesfälle. Die Stunden des Rittes über die folgende weite Sandfläche vergingen rasch in Gesprächen und stillen Gedanken; die Wüste macht in gleichem Maße bald niitteilsam, bald'grüblerisch. Bei Sonnenuntergang waren wir nahe beim Rand des Gebirges und hatten damit das Ziel des ersten Tages erreicht. Während das Zelt aufgeschlagen und Feuer gemacht wurde, schweifte unser Blick über die von dem Hellen, den ganzen Himmel bedeckenden Abendrot beleuchtete Landschaft, in der wie ein riesenbreiter Strom ein Stück des Golfes von Suez schimmerte. Am nächsten Morgen fliegen‘ wir in das Wadi (Thal) es-Sle hinab, in dem uns ein von vielen gelben Blumen ausgehender, an die Blüten wilder Olivenbäume erinnernder Geruch empfing. In diesem Thale zogen wir den ganzen Tag