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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1899-05-01 · Heft 5 (1.5.1899) · p. Seite 106

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
19 (1899)
Issue
Heft 5 (1.5.1899)
Date
1899-05-01
Page
Seite 106 (sequence 10)
Language
German
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106 Jochanan?) daß der Mensch die eigene Person völlig unterordnen müsse der heiligen Wahrheit, ohne welche inan Nichts bedeutete. Nur die Wahrheit begründet die Gemeinschaft mit dem göttlichen Geiste, sie ist das Siegel Gottes. Hochinteressant ist der Anhang des umfang- und inhaltreicheil Buches, in welchem der hochverdiente Antor seine Leser in die Werkstätte seines künstlerischen geistigen Schaffens einführt. Dort wird das Verhältnis des Traditionalisinus zum Rationalismus^) beleuchtet. Meiner Meinung nach schivinden die Gegensätze, wenn der Nationalismus traditionell und der Traditionalismus rationell, die Gläubigkeit an das religiöse Überlieferte vernünftig, die Vernünftigkeit in der religiösen Überlieferung gläubig ivird. — In fesselnder Weise schildert der geistvolle Verfasser gleichfalls int Anhänge der Ethik?) wie die Sittenweisheit des Aristoteles zu der des Maimonides sich verhält, welche, meinem Dafürhalten nach, von der harmonisirenden ethischen Mittelstraße zur Erkenntnis des Erhabenen, göttlicher Vorbildlichkeit gemäß, fortschreitet. Gerne sei auch auf das Verhältnis Spinoza’s z»in Talmud hier anfinerksai» gemacht, welches in lichtvoller Weise auch im Anhanges behandelt wird. Dort wird insbesondere auf die Erkenntnis des Causalnexus Gewicht gelegt, welcher bei Spinoza von der Wirkung auf die Ursache,, bei li. 8imc>n in der Mischnah* 5) von der Ursache auf die Wirkung für die Zukunft folgern läßt. Auch verlohnt es sich, ans dein tiefen Schacht des Werkes die Goldkörner jener Sittenwahrheiten hervorzuholen, welche allseitige Achtung und Beachtung verdienen: „Die Mutterliebe ist noch ganz Natur und ganz und gar Ethik.?)" „In den Riß, den ein tvidriges Geschick gerissen, soll Liebe treten?)" „Das Ideal entbehren heißt auf den Wert des Lebens verzichten?)" „Sittlichkeit adelt jeden Stand?)" „Die Rechtsgleichheit ist nur ein Mittel zur Nechtseinheit?")" „Der Realismus ist ein integrierender Teil im Idealismus des Judentums.")" Durch diesen Spruch möchte auch das Werk charakterisirt sein. Die Realität der ethischen Anschauung verherrlicht gerade jene Idealität des Judentums, welche dein Buche des Herrn Geheimrat Prof. Dr. Lazarus unvergänglichen Reiz und Wert verleiht. Der gefeierte Autor verjüngt sich in seiner Gedankenwelt, in der er lebt und webt und aus welcher heraus ihn insbesondere diejenigen Leser reden hören, die, ivie der Unterzeichnete, so glücklich ivaren, das lebendige Wort desselben in Zeiten des Glanzes und der Herrlichkeit zu vernehmen. Dr. S. Nascher. ') Sofcih 21 b. (S. 91.) 2) Anhang No. 12, S. 382. 3) No. 14, S. 387. No. 45. S. 438. •"') L’icke Abotli 11, 13 ») S. 333. ') S. 350. °) S. 301. 6. .282 (Note ) I0) S. 497. “) S. 283.

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