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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1899-05-01 · Heft 5 (1.5.1899) · p. Seite 105

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
19 (1899)
Issue
Heft 5 (1.5.1899)
Date
1899-05-01
Page
Seite 105 (sequence 9)
Language
German
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105 Je universeller die Lehre des Judentums ist, welche die Weisheit und Vernünftigkeit ist in Augen der Völker/) desto mehr will sie aus ihrer eigenartigen Natur herausverstande» werden; Diese Natur der jüdischen Lehre ergiebt sich aus den Quellen der heiligen Schrift und der Überlieferungen. Aus dieser Quelle gewinnen wir die Grundlegung und das Ziel der Sittlichkeit. Die Sittlichkeit ist das Prinzip, geistiger Selbständigkeit bei der Anerkennung der Vorbildlichkeit des Göttlichen. Aus diesem Charakter der Sittlichkeit heraus erklärt es sich, weshalb der sittliche Lehrgehalt des Judentums nicht national, sondern berufen ist, Inhalt des Bewußtseins der ganzen Menschheit zu sei». Wie die Grundlegung der Ethik theologisch ist, so ist das Ziel der Sittlichkeit, Heiligung des Menschen durch reltgiöje- Erkenntnis und That. Diese Versittlichuug des Menschen ist bedingt durch Gesetzmäßigkeit. Die gesetzliche» Formen und Normen, die innerlich voll ethischer Gedankenweihe sein müssen, schlingen äußerlich das Band der Gemeinsamkeit um die Einzelnen und die Gesamtheit. Die innerliche Natur des Israeliten ist das Religiöse. Die äußere Natur ist an sich nicht heilig, wird aber geheiligt durch die Sittlichkeit. Nicht soll zu Gunsten des Ethischen die Natur unterdrückt werden. Es muß vielmehr durch das Sitten-Jdeal das Sinnliche zum Sinnigen und Innigen int Leben verklärt werden. Nicht Pflicht auf Rechnung der Neigung, sondern Neigung vereinigt mit Pflicht gebietet die jüdische Lehre, die den Pessimismus, im gewöhnlichen Sinne des Wortes, ausschließt. — Die jüdische Lehre hat die Bestimmung, die Gesamtheit zur Vereinigung zu heiligen. Die jüdische Ethik ist die Grundlage der Familienstiftung, der Gesettschaftsweihe, der Ausbildung der jüdischen Gesamtheit zu einem heiligen Religionsvolke. Ist doch der ganze Zweck der Religion, das die Sitteiithat erzeugende ewige Ideal. Die Ethik des Judentums macht daher das Judentum zur lebendigen Ethik und zu einer Kulturmacht, allen sittlichen Gemeinschaften zum Schutze, jeder von unsittlichen Leidenschaften des Hasses und der Verfolgung beherrschten Gegnerschaft zuin Trotze. Wie der berühmte Autor das Verdienst beanspruchen darf, der jüdischen Glaubensgemeinschaft in einer von religiösen Gegensätzen bewegten Zeit Waffen ivissenschaftlicher Selbstverteidigung geboten zu haben, so hat er es verstanden, in die Religions-Philosophie mit meisterhaftem Geschick sich hineinzuexegesieren. — Erhebend ist die Anwendung des 58. Capitels des II. Jesajai) 2) auf die ethische Heiligung der Menschen und die Auslegung des 67. Psamls2) mit der welterlösendeu Sendung des göttlichen Sittenideals der begnadeten Gesamtheit Israels. Die Erklärung des Ausspruches von Rabbi Chananja ben Akaschja/) daß der Herr zur Versittlichuug des Volkes die Gesetzmäßigkeit begründet2) ist nicht minder beachtenswert, wie die vortreffliche' Auslegung der Sendung van Rabbi i) Deuteron. 4,6. a) S. 277. 3) Anhang Nr. 14. (S. 390.) *) Makoth 23 b. (Mi.subnah.) 6) S. 236.

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