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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1899-05-01 · Heft 5 (1.5.1899) · p. Seite 104

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
19 (1899)
Issue
Heft 5 (1.5.1899)
Date
1899-05-01
Page
Seite 104 (sequence 8)
Language
German
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104 die Ausbeutungsobjekte gewissenloser Agenten, die ihre Opfer, nachdem sie dieselben ihrer Mittel beraubt haben, ihrem Schicksal überließen. Plan- und zielloses Umherirren führten endlich zum ersehnten Hafen — oder auch nicht — wie mancher Unglückliche bricht physisch und moralisch erschöpft zusammen. Dieser Nothstand schreit nach Abhilfe, und alle jüdischen Glaubensgenossen bezw. deren Organisationen, auch die in Deutschland nicht domizilirten, werden in dieser Angelegenheit uns sicher ihre Unterstützung leihen! Wir hoffen, daß wenn unsere Bestrebungen die nötige Unterstützung finden und Arbeitsstätten geschaffen und zweckmäßig geleitet werden, das Ziel erreicht sein wird, daß die private Unterstützung der Wanderbettler entweder beseitigt oder auf ein Minimum wird eingeschränkt werden können. Damit wird nicht nur von den heimgesuchten jüdischen Gemeinden eine drückende Last genommen, es wird auch ein schreiender Mißstand in den jüdischen Gemeinden und ein „Chilul Haschern“, beseitigt werden. Allerdings es giebt auch Fürsprecher des gegenwärtigen Systems, dessen Ubelstände anzudeuten wir soeben versucht haben. Diese Herren legen auf den Umstand Wert, daß durch die persönliche Unterstützung der Wanderbettler Gelegenheit zur Ausübung einer religiösen und ethischen Pflicht geboten werde. Wir wollen die gute Absicht, die dieser Auffassung zu Grunde liegt, nicht verkennen, aber wir erheben die Frage: Haben wir ein Recht dazu, unter grober Vernachlässigung aller wirtschaftlichen, hygienischen und ethischen Fortschritte der Gegenwart zur Übung unserer eigenen Religiosität unsere armen Brüder auf der Landstraße physisch und moralisch verkommen zu. taffen? Wer sich weiterhin zu Gunsten unserer Armen persönlich bethätigen will — und das will ja jeder Jude — dem wird es auch künftig an Gelegenheit hierzu gewiß nicht fehlen, er unterstütze unsere Institute mit Geld, mit Arbeitsgelegenheit, mit Religionsbüchern, mit seiner Aufsicht. Die jüdischen Arbeitsstätten sollen auf der Grundlage der wissenschaftlichen Fortschritte und der Humanität errichtet werden, wie alle andern und der jüdische Geist möge über ihnen und in ihnen walten! Weine Ideen über Lazarus' „KtM des Judentums " Zwei Fragen waren es, welche mich bei der genußreichen Lektüre der „Ethik des Judentums" beschäftigt hatten. Hat der Herr Prof. Lazarus, der berühmte Meister aus irgend einem philosophischen System heraus gearbeitet? Hat der Völker-Psychologe aus den ethischen Idealen anderer Völker des Altertums seine Lehre gewonnen? Die erste Frage kann bejaht werden aus der metaphysisch-theologischen Natur der jüdischen Religions-Philosophie heraus, die zweite Frage indes muß gerade aus dieser angegebenen Ursache verneint werden.

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