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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1899-05-01 · Heft 5 (1.5.1899) · p. Seite 101

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
19 (1899)
Issue
Heft 5 (1.5.1899)
Date
1899-05-01
Page
Seite 101 (sequence 5)
Language
German
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101 Jüdische Asyle. - Jüdische Arbeitsstätten. Die Frage der Wanderbettelei beschäftigt die Vertreter der jüdischen Gemeinden Dcntschlands seit einer unabsehbaren Reihe von Jahren und hat dennoch bis heute noch keine befriedigende Lösung gefunden: man ist im großen und ganzen, abgesehen von den in Westfalen und Bayern geschaffenen kleineren Organisationen, in der Frage der Armenunterstütznng bei der alten aber keineswegs bewährten Methode stehen geblieben, den durchreisenden Wanderbettlern — gleichviel ob Inländern oder Ausländern — meist ohne eingehende Prüfung des Falles ein Almosen zu reichen, das den bei den christlichen Mitbürgern oft mißliebiges Aufsehen erregenden Bittsteller in den Stand setzt, die nächste jüdische Gemeinde aufzusuchen. Über die Unzulänglichkeit dieser Methode in jeder Hinsicht kann unter Sachkundigen kein Zweifel bestehen: finanziell ist sie kostspielig, indem der größte Teil der von den meistens ungünstig gestellten jüdischen Gemeinden Deutschlands gespendeten Gelder nicht den Empfängern, sondern den Bahnverwaltungen zu Gute kommt; in hygienischer Beziehung ist sie für die Kranken, die auf den weitesten Umwegen die Heilstätten anfsnchen müssen, mit schweren Schädigungen verbunden, und auch die Gesunden erleiden auf der Landstraße wie in der Herberge Beeinträchtigungen der körperlichen Berfassung. Unvergleichlich schwerer und beklagenswerter ist aber die mit dem oagirendcn Leben untrennbar verbundene moralische Einbuße, die vor allem eine schleunige Verbesserung der Unterstützungsmethode erheischt. In der Verurteilung des bisherigen Unterstützungsmodus waren alle Teilnehmer des am 17. Oktober 1898 vom Deutsch-Israelitischen Gemeindebunde nach Berlin znsamnienberufenen ersten Verbandstages einig. Das von dem Referenten des Ausschusses Herrn Eugen Rosenstiel aus den Auskünften der Delegirten des D.-J. G.-B. vorgetragene Material zeigte, welches Interesse der in allen Teilen Deutschlands als brennend empfundene Frage entgegengebracht wurde. Die Teilnehmer der Versammlung: Vertreter der Großgemeinden der Bezirks-Provinzial-, der Landgemeinde- und Armenverbände, sowie der in. einzelnen Gebieten des deutschen Reiches bestehenden staatlichen Behörden für jüdische Angelegenheiten einigten sich auf folgende Resolutionen I. Resolution des Referenten Rosenstiel: „Eine Kommission zu ernennen, die aus Mitgliedern der verschiedenen Bezirksverbände zusammengesetzt ist und die unter Leitung und Mitwirkung des Ausschusses des D.-J. G.-B.. die Angelegenheit weiter berät und innerhalb 6 Monaten ihre Vorschläge macht." II. Resolution Dr. Kroner, Dr. Vogelstein und Rosenstiel: „Jeder Verband wirke dahin, daß 1) in jeder Gemeinde des Verbandes die israelitischen Ortsarmen thunlichst so unterstützt werden, daß sie nicht zum Betteln in

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