Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 19 (1899)
- Issue
- Heft 5 (1.5.1899)
- Date
- 1899-05-01
- Page
- Seite 99 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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99 gebracht, daß den Feinden abermals ein recht anschauliches Exempel geliefert wurde, daß sie die Juden wohl durch Folter und unmenschliche Behandlung herabzuwürdigen, aber nie und nimmer den Glauben ihrer Väter und ihre Religionssatzungen durch die Kraft ihrer Einwände und Überzeugungen zu erschüttern vermögen. Die Ungunst der Zeit hat zwar manche Glaubensschwache und Feige zur Taufe veranlaßt; andere ließen sich durch das besondere Wohlwollen, welches Ludwig den Convertiten angedeihen ließ, berücken*); jedoch aus allen diesen Beweggründen mochten wohl nicht viele fromme Söhne der Kirche aus dem Judentum hervorgegangen sein. Denn solches hätte nur die innere Überzeugungskraft ihrer Lehren oder die Wahrnehmung, welchen läuternden Einfluß sie auf ihre Bekenner ausüben, bewirken können. Die Kirche jedoch mußte das trostlose Bewußtsein in sich tragen, daß sie anstatt, wie es der Vertreterin einer Religion der Liebe geziemt hätte, Liebe zu üben und zu verkünden, Haß und Rachsucht, Tücke und Bosheit, die verderblichsten menschlichen Leidenschaften zur Erreichung ihres Zieles in Bewegung setzen mußte und nicht einmal den Schein des Rechts zu retten vermochte. Wenn nun auch die Anschuldigungen Donin's widerlegt worden sind, so tonnte man sich dennoch die dargebotene Gelegenheit, über den Talmud den Stab zu brechen, nicht entgehen lassen. Jedoch verschob der König die Frage noch einige Zeit; denn er trug Bedenken, gleich nach dem zweifelhaften Resultate der Disputation das Vernichtungsurteil endgültig zu fällen. Die Ungerechtigkeit wäre zu augenfällig gewesen, wenn man nicht die Angelegenheit auf einige Jahre verschoben hätte, bis die Einwände und Widerlegungen dem Gedächtniß entschwanden und die Anklagepunkte von Neuen« in ihrer ganzen Schärfe hervortraten. Dann unterwarf man den Talmud einer abermaligen strengen Prüfung, um sich noch einmal den Heuchelschein der Gerechtigkeit zu geben und das für die Juden herzzerreißende, für ihre Feinde ergötzliche Schauspiel als überlegte Handlung, als notwendiges Ergebniß mehrerer eingehender Untersuchungen darzustellen. Es wurden nun mit Hülfe Donin's und der Dominikanermönche an zwölf Hundert Talmudexemplare nebst Commentarien, viele Wagen voll, nach Paris gebracht und am 17. Juni 1242 auf einem freien Platze in Gegenwart einer zahllosen Menge verbrannt. Die französischen Rabbinen haben diesen unglückseligen Tag zum Fasttag eingesetzt. Von welchem Schmerz und von welcher Wehmut die Juden ergriffen wurden, als sie diese Bücher ein Raub der Flammen werden sahen, ist nicht leicht begreiflich für denjenigen, der den Talmud blos als ein vielbändiges Schriftwerk betrachtet und nicht weiß, welcher Gedankenschatz in ihm aufgehäuft liegt, wie naturgemäß er dem Judentum entsprossen und was er ihm im Laufe der Zeit geworden ist. Wer li Ludwig der r eilige gab sich viel Mühe um die Bekehrung der Juden. Er begünstigte die Convertiten in sehr hohem Grade, sorgte für deren Unterhalt und unterstützte deren Wittiven und Kinder. Depping, los Juits clans le rnoyen age, p. 124.