Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 19 (1899)
- Issue
- Heft 5 (1.5.1899)
- Date
- 1899-05-01
- Page
- Seite 98 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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98 elftere Talmndstelle beziehe sich auf Jesus und suchte diese im Ganzen unverfängliche Stelle so gut als möglich zu verteidigen; die andern Äußerungen aber bezog er auf andere Personen gleichen Namens. Er war wirklich durch seine chronologische Berechnung zu der Überzeugung gelangt, daß diese Ausdrücke andere» Personen gelten müßten und nahm nicht Anstand, es der Königin zu beteuern. So k»m er merkwürdiger Weise dadurch, daß er sowohl, als die Geistlichen über die Chronologie des Talmud im Unklaren waren, über die gefährlichsten Klippen gefahrlos hinweg. Nikolaus griff noch andere Stelle» au; unter ihveu auch die gesetzliche Bestimmung*), wonach Schwüre und Eide entkräftet werden können, wie überhaupt den Gebrauch, daß jährlich am Beginne des Bersöhnüngsfestes im Lol- Nidre Gebete alle Eidleistunge» des folgenden Jahres schon im Voraus für ungültig erklärt werden. Hierbei hat er nur in seinem blinden Eifer übersehen, daß, wie Tossaphot daselbst bemerkt, damit keineswegs solche Eide und Schwüre, die Andern geleistet worden sind, und keinerlei Art von Verpflichtung einem Andern gegenüber gemeint seien, sondern daß dies blos auf Gelöbnisse, welche der Mensch in Beziehnng auf sich unbesonnener Weise gethan, und welche er schlechterdings nicht zu erfüllen im Stande sein werde, anwendbar sei. Wahrscheinlich hat auch Jechiel diese Antwort gegeben; nur ist die Schilderung jenes Herganges am französischen Hofe defekt und in der Mitte abgebrochen. Auch diese wie andere Vorwürfe wußte Jechiel mit mehr oder weniger triftigen Gründe» zu entkräften. Der öffentliche Zweikampf an und für sich war von keiner großen Bedeutung für das Schiksal des Talmud. Denn es war bereits durch die Anklage, welche Nikolaus beim Papste geführt hatte, beschlossen worden, die Disputation und die damit zusammenhängende Prüfung des Talmud sollten lediglich den Zweck haben, dieses Schrifttum unter dem Scheine des Rechts zu vernichten. Denn die Kirche verstand es, wie man unter der Maske der Heiligkeit Gewalt üben und das Gräßlichste vollführen könne. Ein provenzalischer Dichter aus jener Zeit, Guillem Figueira, charakterisirt sie m dieser Beziehung mit folgenden Worten: „Du hast das Ansehen des Lammes, so unschuldig ist deine Miene, im Innern aber bist du ein reißender Wolf." Außerdem sollte die feierliche Brandmarkung des Talmud dem von falschem Rechtsgefühl und mißverstandener Frömmigkeit eben so sehr, wie von Judenhaß erfüllten Könige die eitle Beruhigung gewähren, mit der Verbrennung desselben keine ungerechte, sondern eine gottgefällige That, einen Akt christlicher Religiosität zu vollführen. Es war deshalb unter den gegebenen Umständen einerlei, ob der Ausfall des Streites ein günstiger oder ungünstiger sein würde. Jechiel, obgleich er als Sieger den königlichen Hof verließ, war nicht im Stande, der gewaltigen judeufeindlichen Strömung einen Damm zu setzen. Dennoch hat diese, wie auch die mehrfach erwähnte Disputation des Nachmanides gegen Fra Pablo Christian!, wenigstens den einen Vorteil dem Judentum l; Aedar m 23 b.