Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 19 (1899)
- Issue
- Heft 4 (1.4.1899)
- Date
- 1899-04-01
- Page
- Seite 94 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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94 pp'" *• Religionsfreiheit": „Kein Staat hat soviel für diese Idee gethan, als unser preußischer Hohenzollernstaat. Der preußische Staat war geradezu der Bannerträger der religiösen Duldung in der Geschichte der Menschheit." Aus einem Erlaß des großen Kurfüsten vom 26. November 1645 zitiert Zorn den herrlichen Ausspruch: „Wir seind Gott Lob des Verstandes, daß Wir uns über die Gewissen Unserer Unterthanen kein Jmperii anmaßen, sondern dasselbige Gott allein anheimstellen." Die duldsamen und gastfreundlichen Gesinnungen des edlen, kerndeutschen Kurfürsten haben den Grund gelegt zu den großen Errungenschaften Brandenburgs, zu der heutigen staatlichen und wirtschaftlichen Bedeutung Preußens. — Die Kommission zur Bekämpfung des Wanderbettelns, zur Organisation der Armenpflege und zur Begründung von Arbeitsnachweisen und Arbeitsstätten versendet den Bericht über die am 2. Februar in Berlin stattgehabte Stitzung, welche unter dem Vorsitz des Herrn Eugen Rosenstiel stattfand. Die Anwesenden einigten sich einstimmig ans folgende Resolution: 1. Die innerhalb der einzelnen Gemeinden bestehenden Wohlfahrtseinrichtungen sind zum Zwecke gemeinsamer Arbeit zn ceiitralisiren. 2. Bezirksverbände sind, wo noch nicht vorhanden, zu schaffen. 3. Die Bezirksverbände sind zn vereinigen. Der Deutsch-Israelitische Gemeindebund gilt in der vorliegenden Frage nicht als Centralverband, sondern nur als Centralstelle. 4. Es ist an dem Prinzip, die Einwanderer an der Grenze aufzuhalten und die unwürdigen Elemente zurückzuschicken, festzuhalten. Die Ausführung ist in einer Subcommission zu berathen, die sich zunächst mit den, den Einwandernngsstellen benachbarten Verbänden schriftlich in Verbindung zu setzen hat. — In Kerlin fand die feierliche Promotion der ersten Doktorandin an der Berliner Universität, Fräulein Else Uenmann, zum Dr. phil. statt. Die gelehrte junge Dame ist eine Tochter des Bankiers Max Neumann und eine Enkelin der bekannten Schriftstellerin Rahel Mayer, deren Roman „In Banden frei" zu den besten Schöpfungen der jüdischen Belletristik gehört. — Ein interessantes Werk ist jüngst erschienen. Herr Rabb. Dr. K. Kernstein-Steinamanger sammelte seit Jahren Daten über die Theilnahme der Juden an dem Freiheitskampfe von 1848/49 und veröffentlicht nun das Ergebnis in einem Studienwerk. Kein geringerer als Maurus Jokai schrieb das Vorwort, welches lautet: „Es wäre eine traurige Erscheinung, wenn man in Ungarn noch jetzt darüber streiten müßte, daß die menschlichen und bürgerlichen Rechte zum Gemeingut aller Bewohner des Vaterlandes werden sollen. Das bestimmen schon unsere Gesetze, aber der Gemeingeist steigert ihre Wirksamkeit. Nun aber sichert außer den ewigen Regeln der Logik und der idealen Auffassung der Wahrheit auch die in Blut übergegangene Thatsache, die Dauer der geschriebenen Gesetze. In Ungarn war das Volk der Religion Mosis, der hebräische Stamm, stets der eifrigste Anhänger der ungarischen Staatsidee und der Freiheit, und so ist es auch geblieben. In der Zeit der schwersten Prüfungen, während des Freiheitskampfes von 1848/49, wurde dafür der sicherste Beweis geliefert. Als alle anderen Volksstämme fremder Zunge,