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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1899-04-01 · Heft 4 (1.4.1899) · p. Seite 93

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
19 (1899)
Issue
Heft 4 (1.4.1899)
Date
1899-04-01
Page
Seite 93 (sequence 21)
Language
German
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93 er sich auf die Autorität der größten Kirchenlehrer Orgines und Augustinus, die zur Duldung der Juden, die unsere Brüder seien, gemahnt. Er erkennt es als einen Fortschritt dieses Jahrhunderts und die natürliche Folge der staatlichen Gleichstellung der Juden, „daß der deutsche Jude wesentlich deutsch denkt in allen Fragen des geistigen und sozialen Lebens" und verurteilt die antisemitische Bewegung, wenn er z. B. sagt: „Eins aber ist, was die heutige, antisemitisch sich nennende Agitation nicht vergessen sollte: Haß und Verachtung sind Gefühle, traurig und unerquicklich für den, der sie hegt, peinigend und erbitternd für den davon Betroffenen. Schlimm, wenn — um biblisch zu reden — ein Abgrund den andern anruft. Unser Wahlspruch sei und bleibe das Wort der Sophokleischen Antigone: „Nicht mitzuhassen — mitzulieben bin ich da!" — Der kürzlich in Leipzig verstorbene Ferdinand Ascher, Bruder des ehemaligen Wiener Theaterdirectors Anton Ascher, hat sein ganzes Vermögen, 300,000 Francs, der dortigen jüdischen Cultusgemeinde hinterlassen. — „Ein Vorkämpfer der Emanzipation, Christian Wilhelm Dohm", so lautete das Thema der zweiten Montags-Vorlesung zum Besten des Stipendienfonds' der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums in Berlin. Referent war der rühmlichst bekannte und preisgekrönte Göthe-Biograph Herr Privatdozent Dr. Richard M Meyer, der das Leben und Wirken Dohms und speziell dessen Eintreten für die Emanzipation der Juden, die Jahrhunderte lang in unwürdiger Stellung geschmachtet, in eben so anregender wie fesselnder Weise schilderte. Dohm war ein ungewöhnlicher Geist, der weit über den Vorurteilen, und dem Durchschnitt seiner Zeitgenossen stand. Im Sinne der Aufklärung, im Sinne der Menschenliebe trat er für die Gleichberechtigung der Juden ein, die nach seiner Ansicht ebenso im Interesse des Staates wie der Juden lag. Eine der Hauptaufgaben des Staates sollte es sein, durch gute Behandlung, durch Erleichterung der Ehebedingungen und der Ansiedlung die Juden zu guten Staatsbürgern heranzubilden und hierdurch die Fehler und Schwächen, die auch Dohm keineswegs verkannte, die er aber nur der Zurücksetzung und Bedrückung zuschrieb, auszumerzen. Erft dem Jahre 1848 war es Vorbehalten, die Emanzipation herbeizuführen, die ein Dohm, von Humbold, Lessing, MoseS Mendelssohn angestrebt und beeinflußt hatten. — Im Landtage hat der Abgeordnete Dr. Hirsch Veranlassung genommen, einer unrichtigen Behauptung über die Juden entgegenzutreten, indem er sich gegen Herrn v. Gamp richtete und sagte: „Richtig ist, daß Gesindevermieter die Leute vielfach ausbeuten. Übrigens ist Herr Gamp im Unrecht, da so sehr von jüdischen Gesindevermietern zu sprechen, denn erstens sind die meisten Gesindevermieter Christen, und zweitens: Was hat die Religion mit der Sache zu thun?" — Im wohlthuendsten Gegensätze zu den seltsamen Ansichten, welche die Antisemiten über nationale und patriotische Pflichten haben, stehen die streng wissenschaftlichen, geschichtstreuen Ausführungen eines bekannten christlichen Königsberger Rechtslehrers. Der Geheimrat Professor Dr. Philipp Zorn sagt in der von ihm verfaßten Schrift „Die Hohenzollern und die

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