Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 19 (1899)
- Issue
- Heft 4 (1.4.1899)
- Date
- 1899-04-01
- Page
- Seite 95 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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95 mit welchen der Ungar seine Freiheit theilte, deren Söhne es aus der Hörigenschaft befreite und auf seinem Boden zu Herren machte, die Waffen gegen Ungarn erhoben, brachte der hebräische Stamm der ungarischen Nation Gut und Blut, sein Vermögen und seinen Geist zum Opfer für die Vertheidigung der verfassungsmäßigen Freiheit; jener hebräische Stamm, welchen die Gesetzgebung allein außerhalb der Schanzen der Verfassung vergessen hat, jenes jüdische Volk, welches allein kein Bürgerrecht, keine Gleichheit unter den Millionen dieses Vaterlandes erhalten hat, welches aber dennoch sein Vaterland liebte. Die zahlreichen Daten dieser bewundernswerthen Vaterlandsliebe finden wir in diesem Buche gesammelt. Ich, der ich die glorreichen und traurigen Ereignisse dieser lehrreichen Vergangenheit in der unmittelbaren Nähe der damaligen leitenden Kreise miterlebt habe, kann nur bezeugen, daß diese Daten wahr sind. Die Geschichtsliteratur schuldet der Hand, welche sie gesammelt und gesichert hat, Dank. Das ungarische Publikum wird viele beherzigenswerthe Lehren aus ihnen ableiten. Den ungarischen Juden aber wird das befolgenswerthe Beispiel ihrer Altvordern wie die biblische Feuersäule voranleuchten. Heil dem Leser!" — Am 27. Februar ist der älteste Mann von Wien, Herr L. M. Kohn, im Hause der israelitischen Cultusgemeinde, Währing, Schopenhauerstraße Nr. 39, gestorben. Kohn feierte am 20. Jänner d. I. seinen 112. Geburtstag.. Er war im Jahre 1787 in Fraunkirchen im Wieselburger Comitate geboren. Die israelitische Cultusgemeinde hat ihm ein Freiquartier und monatlich eine kleine Pfründe zur Verfügung gestellt. Kohn erkrankte am 19. Februar an einem Lungenleiden, welches ihn hinwegraffte. Er hinterließ ein Testament, in welchem er seine 76jährige Gattin zur Erbin seiner kleinen Habe einsetzte. Im Dezember hat Kohn das letzte Mal das Zimmer verlassen. — Herr Emanuel Daumgalten in Wien hat von einem ungenannt sein wollenden Wohlthäter 100000 Kronen zur Errichtung eines Kinderhospitals ohne Unterschied der Konfession und Nationalität erhalten, die er dem Präses der jüdischen Gemeinde übergeben. — 'Se. Majestät der Kaiser von Oesterreich hat dem Hauptmann 1. Klasse Leopold Tapfer in Wien den Adelstand mit dem Prädikate Edler von Willisfeld verliehen. — In Lemberg starb der Inspektor der Baron- Hirsch-Schule Urhemias Landes. Er war auch Redakteur der Zeitschrift „Jzraelita". — In Serajrvo hat die österreichisch-ungarische israelitische Kultusgemeinde Herrn Dr. Samuel Wessel als Prediger und Rabbiner gewählt. — Herr Welthof, der schon früher seitens des französischen Finanzniinisters zum Direktor des städtischen Finanzburealls ernannt worden, wurde zum Staatskassier der Stadt Lille ernannt» eines der verantwortungsvollsten Aemter, namentlich in großen Fabriksbezirken. — Ein gewisser Philipp Sapin in Lyon, Herausgeber des Antijuif hyonnais hat vor einiger Zeit ein Adreßbuch der französischen Juden veröffentlicht mit dem ausgesprochenen Zwecke, dieselben den Antisemiten zu denunziren und so in ihrem Erwerbe zu schädigen. Der Kaufmann Blum aus Jeissey hat Sapin verklagt und nach einem langwierigen Prozeß ein obsiegendes Urteil erstritten. Sapin wurde