Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 19 (1899)
- Issue
- Heft 4 (1.4.1899)
- Date
- 1899-04-01
- Page
- Seite 92 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2969669-2969865-2969870--5675-2974985- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
— 92 — Institut keine Armenversorgung sein, sondern ein freudiges Alter gestalten solle; die Anstalt müsse von den Lehrerinnen als Selbsthilfe betrachtet werden. In hochherziger Weise sei bereits in Ems ein Terrain zur Verfügung gestellt worden, und voraussichtlich würden auch die Mittel zum Bau aufgebracht werden. Zunächst würde es sich empfehlen, in der Nähe von Berlin mit Miethsräumen anzufangen, doch habe sich das Gründungskomitee hierin vollständig freie Hand Vorbehalten. Herr Rosenstiel verlas alsdann eine große Reihe aus den verschiedensten Städten eingetroffener Sympathiekundgebungen, darunter auch eine der in ihrer Wohlthätigkeit so unermüdlichen Baronin Hirsch. In der sich anschließenden Diskussion bestätigt der rühmlichst bekannte Philanthrop Herr Alfons Jacobson aus Leipzig die über Ems gemachten Angabe und verspricht seine rege Mitwirkung an dem edlen Werk. Einen breiten Raum der Debatte nahm die Frage der Konfessionalität oder Jnterkonfessionalität des Institutes ein, doch entschied sich die Versammlung durch Abstimmung mit überwiegender Majorität zur Wahrung der Konfessionalität. Auf Anfrage giebt Herr Dr. Adler noch an, daß natürlich nur diplvmirte Lehrerinnen ausgenommen werden können, wozu auch Musik-, Handarbeits- und Turnlehrerinnen, die ihr Examen abgelegt, gehörten. Nachdem noch die Namen derjenigen Damen und Herrn zur Verlesung gelangt waren, welche für das zunächst zu bildende Kuratorium in Vorschlag gebracht sind, schloß die Vorsitzende die Versammlung mit herzlichen Worten des Dankes an die Erschienenen und an Diejenigen, die mit bewährter Opferfreudigkeit an die Gründung des Lehrerinnenheims herangetreten sind. — In Hamburg haben die Eheleute Martin und Clara Heimann, geb. Kempner, beim Senat das Ansuchen gestellt, ihnen einen Platz zur Errichtung von Freiwohnungen für alte würdige und hilfsbedürftige Eheleute und alleinstehende Frauen ohne Unterschied der Konfession zu überlassen. Sie beabsichtigen, zunächst ein Gebäude mit 30 Wohnungen zu errichten, zu welchem Zweck sie 100,000 Mark zur Verfügung stellen. Ein gleicher Betrag wird jedesmal nach Ablauf von vier Jahren aus den der Ehefrau zustehenden Zinsen eines größeren Kapitals zur Verwendung kommen, auch soll schließlich das gemeinschaftliche Vermögen der Eheleute der Stiftung zufallen. — Der Aufsatz über das „Schächten", den Herr Pfarrer Weichmann-Sternberg in der Zeitschrift „Nalhanael" veröffentlicht hat, ist wesentlich erweitert, mit einem Vorwort des Herrn Prof. Hermann L. Strack als Sonder- Abdruck bei I. C. Hinrichs in Leipzig erschienen. — Das Herrenhaus hat in seiner Sitzung vom 22. Februar das Gesetz betreffend die Synagogengemeinde-Berhältnisse in Frankfurt a. M. ohne Debatte genehmigt. — Am 28. Februar wurde in Wort und Schrift des 100. Geburtstages Ignaz v. Döüingrrs gedacht, jenes Mannes von europäischem Ruf als Theologe und Historiker, dem auch wir ein dankbares Andenken bewahren. In einem Vortrag „Die Juden in Europa", der auch in einem früheren Jahrgange der Monatsblätter abgedruckt ist, läßt er unserer Glaubensgemeinschaft volle Gerechtigkeit widerfahren. Als Kirchenhistoriker beruft