Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 19 (1899)
- Issue
- Heft 4 (1.4.1899)
- Date
- 1899-04-01
- Page
- Seite 91 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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-r 91 des Lebens allein ist ewig und für alle Zeiten und Nationen dieselbe. Damit ging Redner zum zweiten Teile seiner Betrachtung über, nämlich zur Betrachtung des Charakters der jüdischen Ethik: es versteht sich von selbst, daß der Charakter der jüdischen Ethik kein partiknlarstischer, sondern universaler, allgemein menschlicher ist; ein Volk, das die Einheit Gottes erkennt und erfaßt hat, und diese als die Einheit in der Vielheit, als allwaltende Gesetzlichkeit in der verwirrenden Ueberfülle der einzelne» Fälle betrachtet, ein solches Volk kann keine Rassen- und Klassenunterschiede kennen, ein Gott, eine Natur, eine Menschheit und für alle ein Sittengesetz. — Zur Gründung eines „Israelitischen Lehrerinnenheims" war am 27. Februar in Serlin eine konstituirende Versammlung einberlifen worden. Den Vorsitz führte Fräulein Münchhausen, in das Büreau wurden von der Versammlung ferner gewählt: Frau Professor Landau und Fräulein Koelln und die Herren Rektor Dr. Adler und Eugen Rosenstiel. Nachdem die Vorsitzende nach herzlicher Begrüßung der zahlreich Erschienenen in kurzen Worten die Entstehungsgeschichte dieser Idee, die von ihr im Jahre 1891 bereits angeregt sei, gegeben, entrollte Herr Dr. Adler in großen Zügen den Zweck und die Ziele des zu gründenden Lehrerinnenheims. Zunächst richtete der Redner Worte wärmsten Dankes an Fräulein Münchhausen für die außerordentliche Hingebung, welche diese dem Werk nun seit acht Jahren gewidniet hätte. Er schilderte die großen Schwierigkeiten, auf welche der Plan gestoßen sei, aber wenn jemals ein idealer Gedanken seine Macht aller Hindernisse znnr Trotz zur Geldung gebracht hätte, so sei es in diesem Fall. Wenn auch der Deutsch-Israelitische Gemeindebund durch dankenswerthe Maßnahmen den jüdischen Lehrerinnen die Möglichkeit gewährt, durch Einkauf in eine Rentenversicherung sich eine Versorgung für die Zeit ihrer Dienstunfähigkcit zu verschaffen, so könne doch nur ein kleiner Teil von dieser Vergünstigung Gebrauch machen. Nur etwa 100. Lehrerinnen befänden sich nämlich in fester Position, mindestens die zehnfache Zahl in Privatstellungen mit kärglichem Gehalt, und diese müßten mit Kummer in die Zukunft schauen. Die bestehenden Feierabendhäuser, die meist einen spezifisch konfessionellen Charakter trügen, seien ihnen versperrt, zu den wenigen interkonfessionellen, die zumeist, was charakteristisch sei, von jüdischen Lehrerinnen in angestrengter Thätigkeit begründet seien, sei der Zudrang so stark, daß nur eine einzige Jüdin bisher in diesen Anstalten Aufnahme gefunden hätte. Diese Gedanken hätten zu dem Plan der Begründung eines israelitischen Lehrerinnenheims geführt, das keine konfessionellen Unterschiede machen soll. Die Gründung solle jedoch nicht mir ei» Feierabendhaus sein, es solle auch den durch körperliche Leiden oder Anstrengungen Geschwächten Erholung gewahren, und endlich soll eine Stätte geschaffen werden, in der die Lehrerinnen in den Ferien Aufnahme und Erholung von der schweren Arbeit eines Jahres finden können. Der Referent schloß mit der Bitte, dazu beizutrage», den Plan bald in die Wirklichkeit umzusetzen. Herr Rosenstiel giebt alsdann einige nähere Angaben über die Ausführung des Planes. Er betonte, daß das