Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 19 (1899)
- Issue
- Heft 4 (1.4.1899)
- Date
- 1899-04-01
- Page
- Seite 89 (sequence 17)
- Language
- German
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89 eine Synagoge im Jahre 1300. Dort war auch bis vor einigen Jahren ihr Stadtviertel oder Ghetto. Die Synagoge in Nom zerteilt sich in fünf Schulen, die Schule des Tempels, die katalanische, die kastilianische, die sizilianifche und die neue Schule. Jede hat in demselben Gebäude ihren eigentlichen Gebetsort, je nach dem Ritus, dem die Juden angehören. Unter der päpstlichen Herrschaft erfreuten die Juden sich immer eines väterlichen Schutzes. Während sie in anderen Staaten verfolgt wurden, erhoben die Päpste ihre Stimme, um sie zu verteidigen. Dies erkannten auch die in Paris im Jahre 1807 versammelten Juden in einer öffentlichen Erklärung an. Nicht immer haben sich die Juden dem katholischen Klerus gegenüber in unserem Jahrhundert dankbar gezeigt, und obschon die Päpste i» Rom sie öfters in ihren Schutz nahmen, haben sich die Juden in der ewigen Stadt seit 1870 gegen die Kirche und Katholiken öfters vergangen. Doch sind dies meistenteils eingewanderte Juden gewesen, die aufgehetzt waren, denn wie der bekehrte Jude Abbe Lemann in seinem Werke L’entree des Israelites dans la Societe frari(;aise et les £tats chretiens behauptet, ist die jüdische Hetze gegen das Christentum den Israeliten zuzuschreiben, die es als Freidenker und Freimaurer haßten. Unter diesen liberalen Juden ist vor allem der Großmeister der Loge in Italien, Nathan, zu nennen. Die Zahl der Juden hat sich in Rom in diesem Jahrhundert ziemlich vermehrt. 1809 zählte man derselben 3076, 1868 sind sie schon 4995, 1882 sind 5420 in der Synagoge eingeschrieben; aber dazu mußte man noch etwa 700 fügen, die in keiner jüdischen religiösen Gemeinde eingeschrieben sind. (Köln. Volkszeitung.) Wonatsschau. „Prinzip und Charakter der jüdischen und modernen Ethik". Ueber dieses Thema sprach im Verein für jüdische Geschichte , und Literatur in Köln Herr David Warrus. In knappen Zügen ein Bild des Jahrhunderts entwerfend, zeigte der Redner, wie den Ernstdenkenden am Ende des Jahrhnnders ein erhebendes und demütigendes Gefühl zugleich überkommt, erhebend, wenn er die Fortschritte der Naturwissenschaft und Technik, demütigend, wenn er den Rückschritt auf dem Gebiete der Moral sich vergegenwärtigt, denn hier hat das Jahrhundert keinen Ersatz dafür geboten, was die negierende Richtung des 19. Jahrhunderts, die Zeit der Aufklärung, zerstört und zertrümmert hat. „Die Schale ward gebrochen, aber mit ihr auch der Kern bis ins Innerste verletzt, die dunkele Umhüllung, aus welcher ein Diamant herrliches Licht ausströmte, ward verscheucht, da hörte auch der Edel-