Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 19 (1899)
- Issue
- Heft 4 (1.4.1899)
- Date
- 1899-04-01
- Page
- Seite 88 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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88 mehr als 8000 Juden die Gesandten von Jerusalem empfingen und begleiteten, welche nach Rom kamen, um dem Cäsar zu huldigen. Nach einigen Schriftstellern sollen damals die in Rom ansässigen Juden über zwanzigtausend gezählt haben. Persius erzählt, daß die Juden ihren König Herodes auch öffentlich in Rom feierten. Sie schmausten, tranken tüchtig ihm zu Ehren und beleuchteten sogar ihre Häuser. Tiberius vertrieb die Juden aus Rom und verbannte 4000 nach der Insel Sardinien, weil sie die Frau des Saturninus, Mediana, aus der Gens Fulvia, zum Judentum bekehrt hatten und von ihr Geld, Purpurstoffe und goldene Gefäße erhielten, die ein Geschenk für den Tempel in Jerusalem sein sollten. Man weiß, daß die heidnischen Römer die Christen zuerst als Juden betrachteten. Die Proselytenmacherei der Juden unter den Heiden in Rom dehnte sich weit aus. De Rossi und Armellini geben darüber genaue Nachricht. Die heidnische Gesellschaft konnte sich nicht mehr mit ihrem Götzendienste begnügen, die moros judaici wurden zur Mode. Man unterschied aber zwei Klassen unter den Proselyten, die Proselyti ex justitia und die Proselyti, die auch unter dem Namen Pimentes Deum bekannt sind. Die ersten mußten sich allen jüdischen Gebräuchen unterwerfen, das mosaische Gesetz absolut beobachten und waren, religiös betrachtet, wahre jüdische Bürger. Durch Suetonius erfahren wir, daß dieselben vor den Magistraten sich als Juden erklären mußten. Die Proselyten der zweiten Klasse waren zahlreicher, sie sollten sich von dem Götzendienste fernhalten, das natürliche Gesetz beobachten, doch blieben sie römische Bürger, nur durften sie, wie auch später die ersten Christen, weder Blut noch Ersticktes genießen. Proselyten des Judentums findet man in der höheren Gesellschaft Roms. Armellini glaubt, daß der Centurio Cornellius, dessen Bekehrung in der Apostelgeschichte durch Petrus erwähnt wird, ein Proselyt zweiter Klasse war, denn die heilige Schrift sagt von ihm: Religiosus ac timens Deum cum omni domo sua. (Act. Apost. X. 2.) Nicht nur die heidnischen Schriftsteller sprechen von diesen Proselyten, wir finden sie auch in den Inschriften der Judenkatakomben Roms erwähnt. Die erste Synagoge der Juden war in ihrem Quartier Trastevere, unweit von der Kirche der heiligen Cäcilia. Daß sie große Freiheiten in der Ausübung der Religion besaßen, wird uns durch folgendes Ereignis bestätigt. Bevor der heilige Kallistus in den Klerus aufgenommen wurde, hatte er als Wechsler mit den Juden Geldgeschäfte gemacht. Er wollte einmal Schulden von ihnen eintreiben, stellte sich an einem Sabbath an den Eingang ihrer Synagoge und forderte die Rückerstattung seiner Darlehen auf eine geräuschvolle Art. Die Juden mißhandelten ihn mit Schlägen, schleppten ihn vor das Tribunal des Stadtpräfekten Fnscianus unter der Anklage, er habe sie in der Ausübung ihrer Religion gestört. Im Mittelalter sind die Juden in Rom von Trastevere auf das linke Ufer der Tiber übergesiedelt; dort besaßen sie unweit von dem Portikus der Oktavia