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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1899-04-01 · Heft 4 (1.4.1899) · p. Seite 86

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
19 (1899)
Issue
Heft 4 (1.4.1899)
Date
1899-04-01
Page
Seite 86 (sequence 14)
Language
German
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86 der mit Beginn des Sabbathes das Gotteshaus betritt, rufen wir zu: „llamokanm jenachem aussoch!" „Der Herr tröste dich!" Arm und reich, jung und alt, vornehm und gering, treten alle ohne Unterschied hin vor den heiligen Altar, um in wehmütiger Erinnerung mit Erhebung in den Willen Gottes ihrer teueren Verblichenen zu gedenken und den Gottesfrieden von des Himmelshöhen herabznfleheu; hiezu kommt noch die schöne, pietätvolle Einrichtung der „Chevra-Kadischa“ in unserer Gemeinde, wonach wir einmal im Jahre einzig und allein aus dem Grunde das Heiligtum betreten, um pietätvoll unserer teueren Toten zu gedenken. Ein Heiligtum bilden Israels Gotteshäuser; ein Heiligtum must aber auch die „Chevra-Kadischa" und „Chevras-Noschim", die heilige Brüderschaft und der wohlthätige Frauenverein genannt werden; denn wo könnte es ein schöneres Heiligtum geben als dort, wo als Opfer Werke der Nächstenliebe und Humanität dargebracht werden- Wer aber vermöchte aufzuzählen die Opfer der Nächstenliebe und Humanität, die von unserer „Chevra-Kadischa" seit ihrer zwanzigjährigen Wirksamkeit, und von unserm Frauenvereine seit seinem vierzehnjährigen Bestände gebracht wurden? Still und geräuschlos wurde und wird überall da eingegriffen, wo es gilt, Thränen zu trocknen, Kummer zu stillen, Not und Leid zu lindern. Nicht um zu glänzen, wird hier „gemilus chesecl“ geübt, sondern uni zu erleuchten die betrübten und düsteren Herzen mit der Fackel der Liebe und Hunianitüt. Gleich den Sternen, die das Dunkel der Nacht erhellen, werden von diesen beiden Vereinen erleuchtet jene dunklen und düsteren Stätten, wo der sterbliche Körper mit der unsterblichen Seele ringt, bis des Herzens Pulse zu schlagen aufgehört und die Seele sich emporgeschwungen zu jenen reinen Höhen, wo der Schmerz nicht mehr wohnt, die Klage nicht mehr tönt, des „Jammers trüber Sturm" nicht mehr rauscht.*) Aber selbst auch dann, wenn tiefes Dunkel des Sterblichen Auge für immer deckt, erlischt noch nicht die Fackel der Humanität; denn würdig und pietätvoll werden dem teueren Toten die letzten Ehren erwiesen. Mit den Worten „hazur tomim poolau der Fels, vollkommen ist sein Thun, alle seine Wege sind gerecht: er ist ein Gott der Treue ohne Fehl, gerade und. gerecht ist er" wird die sterbliche Hülle zu ihrer letzten Ruhestätte geleitet. „Uazur tomim poolau der Fels, vollkommen ist sein Thun". Diese Worte unseres großen unsterblichen Lehrers Mose, sie geben auch uns heute die sittliche Kraft, die sittliche Stärke, nicht im verzweiflungsvollen, sondern Heilgen Schmerze eine Thräne der Erinnerung zu weihen den teueren Toten, mit denen wir im Leben durch die Bande des Blutes, durch das Band der Liebe und Treue verbunden waren. Und so gedenken wir zunächst der verstorbenen Mitglieder der Brüderschaft, wir gedenken ferner der im Laufe des Jahres in unserer Gemeinde Tahingeschiedenen, wir gedenken aber auch nach einer pietätvollen Sitte unserer Gemeinde, der im abgelaufenen Jahre dahingeschiedenen Männer, die sich um Ehre und Wissen- *) Siehe Schillers „das Ideal und das Leben".

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