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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1899-04-01 · Heft 4 (1.4.1899) · p. Seite 85

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
19 (1899)
Issue
Heft 4 (1.4.1899)
Date
1899-04-01
Page
Seite 85 (sequence 13)
Language
German
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85 manche Völker des Altertums scheinen diese Teilung überhaupt nicht oder doch erst sehr spät versucht zu haben, weshalb sie nur zu dem Resultate unvollständiger Tonleitern gelangten. Reich, fest geschlossen und streng gegliedert war das griechische Tonsystem. Auch bei den Chinesen, bei den Indern und Arabern finden wir schon frühe musikalische Organisationen. Die Juden des Altertums dagegen und die Ägypter sind bis zu einem vollständigen System, in welchem sie die Töne zusammengefaßt hätten, nicht gelangt; sie hatten keine Tonleiter und konnten demgemäß die Intervalle derselben Werder kennen noch darstellen. Von diesem rein technischen Standpunkt aus betrachtet, sind es falsche Hypothesen, welche dem Trop musikalische Fragen untergelegt wissen wollen, denn derselbe Trop, der beispielsweise die Psalmen interpretieren soll, steht auch in historischen Büchern, ja selbst bei Überschriften, die doch sicher nicht gesungen wurden. Es bleibt daher nichts anderes übrig, als von der vollständig unbegründeten Behauptung, den Trop für eine Notenschrift der altjüdischen Musik zu halten, zu abstrahieren, und ihn in die Kategorie der Sprachaccente zu verweisen, für die ihn die Massorethen als Empfindungs-Deklamations- und Interpunktions-Zeichen bestimmt haben. In solchem Sinne ist es nicht zu beanstanden, daß der Trop auch in historischen Büchern und bei Überschriften steht, und seine gesangliche Ausführung an Sabbathen, Festtagen u. s. w. bei der Thoravorlesung und Haftora ist daher nur ein Zugeständnis, das man erst Jahrhunderte nach den Massorethen ihm gemacht hat. Mede, gehalten bei der gottesdienstlichen Vorfeier der Generalversammlung der „Chevra Kadischa" und der „Chevras-Noschim" am 19. Februar 1899 im Tempel zu Brüx von Dr. Adolf Biach, Rabbiner und Prediger in Brüx. Andächtig Versammelte! Als König Salomo vor drei Jahrtausenden das Heiligtum in Jerusalem erbaute, ließ er daselbst zwei Thore errichten, „achas lechasanim, weachas loawelim," das eine für die Brautzüge, das andere für die Trauerzüge. Jedem einzelnen Israeliten sollte Gelegenheit geboten werden, nicht nur an der Freude teilzunehmen, sondern auch „gemilus chesed", Pietät zu üben an Trauernden und Verstorbenen. Jene Pietät, die vor Jahrtausenden des Königs Herz erfüllte, sie wurzelt auch heute noch in der Brust eines jeden einzelnen Israeliten. Auch unsere Gotteshäuser sind nicht allein religiöser Freude, sondern auch tiefinniger Pietät geweiht. Am heiligsten Tage des Jahres, am „jom hakippurim“, am Schluß-, Freiheits- und Offenbarungsfeste gedenken wir im Gotteshause unserer teueren Verklärten. Dem Trauernden,

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