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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1899-04-01 · Heft 4 (1.4.1899) · p. Seite 79

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
19 (1899)
Issue
Heft 4 (1.4.1899)
Date
1899-04-01
Page
Seite 79 (sequence 7)
Language
German
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79 Aus einem Wortrage Wfarrer Wattenvergs in Arankfurt a. W. über seine Eindrücke und Erfahrungen in Palästina. Herr Pfarrer Battenberg hat im Herbst die Kaiserreise mitgemacht und während seines zwölftägigen Aufenthaltes im heiligen Lande auch den Juden im Allgemeinen und den jüdischen Kolonieen insbesondere seine Aufmerksamkeit zugewandt. Eingangs seines Vortrages bemerkte der Herr Pfarrer ironisch, daß er sich zwar der Gefahr aussetze, von den Herren Antisemiten „Judenknecht" genannt zu werden, daß ihm aber sehr wenig daran gelegen sei, denn jeder ehrliche Christ müsse aus nationalen und religiösen Gründen gegen die wilde Hetze der Antisemiten sich auflehnen. Er vergesse als evangelischer Pfarrer nie, daß der Stifter der christlichen Religion von jüdischem Fleische gewesen, und daß die meisten seiner Aussprüche dem alten Testament entnommen seien. Er widme der Judenfrage lebhaftes Interesse und wolle als neutraler Beobachter seine subjektive Ansicht, die auf den in Palästina gemachten Erfahrungen sich aufbaue, der Versammlung mitteilen. Redner entwarf ein anschauliches Bild von Palästina, von Land und Leuten, insbesondere aber von Jerusalem und den Kolonieen. Er meinte, die Kolonieen beweisen zur Genüge, was sich durch Kapital und Fleiß erreichen läßt. Die Kolonisten haben das brach und öde Vorgefundene Land in ein Paradies verwandelt und machen durch ihre Haltung einen sehr günstigen Eindruck, im wohlthuenden Gegensätze zu der jüdischen Bevölkerung Jerusalems. Die Kolonieen seien zwar an und für sich eine hervorragende Leistung, dem im Judentum herrschenden Elend aber bei weitem nicht entsprechend. Es sei daher eine Pflicht aller Menschenfreundebesonders aber der besser situirten westeuropäischen Juden, die Kolonisation aufs thatkräftigste zu unterstützen und zu begünstigen, um den Armen ein menschenwürdiges Dasein zn begründen. Das bisher angewandte Almosensystem demoralisiere nur die Leute, während sie durch Arbeit ein gewisses Selbstbewußtsein erlangen. Endlich aber beweise das Prosperireu der Kolonieen die Jnhaltlosigkeit der von den Feinden der Juden gegen dieselben gerichteten Beschuldigungen, daß sie sich nicht zu Ackerbau und zur Landwirtschaft eignen. Irrig sei es aber, darin eine endgültige Lösung der Jndenfrage zu erblicken, sei es im Sinne des „Judenstaat-Zionismus", sei es im Sinne der „praktischen oder Halb-Zionisten", wie sie der Redner nannte. Man glaube nicht, daß durch Ansiedlung von hundert- oder zweihunderttausend Juden in Palästina die Judenfrage gelöst werden könne. Denn abgesehen von den politischen Schwierigkeiten, würden auch solche konfessioneller Natur zu überwinden sein, da das Christentum ein zumindest ideales Heimatsrecht auf -Palästina habe. Einen Staat könne man nicht in der Studierstube machen. Die zionistische Bewegung sei der

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