Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 19 (1899)
- Issue
- Heft 3 (1.3.1899)
- Date
- 1899-03-01
- Page
- Seite 67 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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67 die klassische Stätte der Judenverfolgungen, ist das wohl nichs Außergewöhnliches; merkwürdig aber ist, daß sich diesmal die Dorfinsassen, über die Rohheit und Ungerechtigkeit empört, zusammenrotteten und einen erbitterten Kampf mit den Gendarmen aufnahmen, die sich schließlich genötigt sahen, den Rückzug anzutreten. — Rev. Dr. K. Köhler in New-Iork hat kürzlich den Plan eines jüdischen Konzils angeregt, resp. eines jüdischen Synedriums. Der „American Hebrew" dessen tausendste Nummer am 13. Januar erschienen ist, hat nun eine Rundfrage über diesen Vorschlag veranstaltet und meist Ablehnungen dieser Idee erhalten. Richter Sulzberger erklärt ein Synedrium für unmöglich, da Reformer und Orthodoxe zwei Sekten bildeten, die sich nicht verständigen könnten. Zugleich wiederholt er seinen Vorschlag, wie man die zweiten Feiertage habe, den Sonntag als zweiten Sabbath einzurichten. Lewis N. Dembitz in Louisville hält eine Synode für unmöglich, weil die Mehrzahl der jüngeren Reformprediger nicht einmal das Wenige vom Judentum, was sie noch von der Kanzel herab ihren Gemeindeangehörigen predigten, in ihrem eigenen Leben beobachteten. Diese könnten daher auch keinerlei Autorität ausüben, um anderen Personen religiöse Vorschriften zu geben. Rev. Max Heller in New-Oleans ist gegen eine Synode, weil dieselbe die vorhandenen Gegensätze nur noch verschärfen wurde. Rur Rev. Meldola de Sola erwartet von den Fortschritten des Zionismus auch die Schaffung von Organisationen, die zuletzt zu einer jüdischen Synode führen könnten. Die Antworten sind interessant, weil sie ein Stimmungsbild geben. — Herr Dr. Gustav Gottheil in Uew-Uork feierte sein 25jähriges Jubiläum als Rabbiner der Emanu- El Gemeinde. Gustav Gottheil wurde am 30. Mai 1827 in dem kleinen Dorfe Pinne in Preußen geboren, er erhielt dort eine gute talmudische Vorbildung studierte später in Posen unter Rabbi Salomon Pleßner; seine Ausbildung vollendete er hierauf an der Universität in Berlin und trieb theologische Studien unter Holdheini, Znnz und Steinschneider. Er fungirte fünf Jahre lang als Assistent Dr. Holdheiins an der Reformgemeinde Berlins. Im Jahre 1860 folgte Dr. Gotheii einem Rufe an die Reformgemeinde in Manchester, der er volle dreizehn Jahre Vorstand, uiu hierauf die ihn ehrende Ernennung zum Hülfsprediger im Tempel Emanu-El neben Rabbi Dr. Samuel Adler einzunehmen, welch' Letzterer anderthalb Jahre später das Rabbinat dem jüngeren Prediger allein überließ. Rabbi Dr. Gottheil ist der Verfasser eines Hymnenbuches und mehrerer Werke religiöser Betrachtung für das Haus und für die Synagoge.