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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1899-03-01 · Heft 3 (1.3.1899) · p. Seite 64

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
19 (1899)
Issue
Heft 3 (1.3.1899)
Date
1899-03-01
Page
Seite 64 (sequence 16)
Language
German
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64 das nicht gering ist, da es Göthe in allen Perioden seines Lebens beschäftigt hat. Als Frankfurter hatte Göthe schon als Knabe Gelegenheit, Juden kennen zu lernen, ebenso als Weimaraner, wo ihm der „thätige Jude", der Hofjude Elkan und der Berliner Bankier Ephraim sehr nahe kamen. Der Vortragende erwähnte weiter der persönlichen und literarischen Beziehungen zu den Gelehrten Maimon und Herz, der aufrichtigen Verehrung, die Göthe Moses Mendelssohn entgegenbrachte, der liebenswürdigen, auszeichnenden Behandlung, die er einem ihn empfohlenen jüdischen Studenten zu teil werden ließ; legte weiter dar, was für ein genauer Kenner der Bibel Göthe gewesen und wie sehr die Bibelsprache auf seine eigene einwirkte, endlich welche Bedeutung für Göthes Geistesleben Spinoza gewonnen. Gegenüber diesen persönlichen und geistigen Beziehungen zu Juden und zu jüdischem Geist (Rahel Lewin, Dorothea Veit, Henriette Herz, Felix Meudelssohn-Bartholdy, Ferdinand Hiller werden nur genannt) finden sich nun in Göthes Gesprächen, Briefen und Werken zahlreiche Belege, welche darthun, wie Göthe mit diesem Stoff geradezu gerungen hat, wie er ihm von verschiedenen Seiten beizukommen suchte. Der Vortragende wies darauf hin, daß Göthe gegen die Bemühungen der Frankfurter Juden, sich zu emanzipiren, Partei nahm und wie er das Weimar'sche Gesetz, das die Mischehen begünstigte, mißbilligte, wie er auch in seinen Aphorismen scharf über jüdisches Wesen urteilte, dagegen im Haman- Zwischenspiel im „Jahrmarkts-Fest zu Plundersweilern" gleiches Licht verteilte. Ausführlich beschäftigte sich Göthe noch in „Wilhelm Meisters Wanderjahren" mit den Juden, von denen er sagt, daß sie waren, sind uud sein werden: wie er auch einmal von den Deutschen sagte: „Das deutsche Volk ist wie das jüdische; es besteht aus lauter Individuen, darum wird es nicht untergehn." Redner schloß mit einem Ausblick auf die Gegenwart, welche die deutschen Juden gezwungen habe, wieder Juden zu werden. Doch sei es Aufgabe der deutschen Juden, die im Sinne Göthes Individuen in doppelter Hinsicht sind, allen Allfeindungen zum Trotz an den Idealen festzuhalten und unablässig an sich zu arbeiten. — Der in Srünn verstorbene Herr Bernhard Morgenstern hat 166 000 fl. ö. W. für wohlthätige Zwecke hinterlassen — Der französische Philologe Henry Weil geb. in Frankfurt a. 21t. 27. Aug. 1818 feierte seinen 80. Geburtstag. Der greise Gelehrte arbeitet noch rüstig. Ihm zu Ehren wurde eine „Melange» Henry Weil" von seinen Freunden und Genossen herausgegeben. Weil gilt als einer der ersten Kenner des griechischen Dramas. — Dr. Jules Goldschmidt in Paris ist zum Ritter der Ehrenlegion ernannt worden. Derselbe hat in Madeira ein Hospital begründet, das allen Nationalitäten offen steht. — Herr Professor Grrera, Direktor des botanischen Instituts und zugleich ein eifriger Verteidiger des Judentums, ist zum Mitglied der belgischen Akademie der Wissenschaften gewählt worden. Er hat auch ein vorzügliches Buch über die russischen Juden geschrieben. — In Helfast wurde Herr Otto Iaffe zum Lord-Mayor gewählt, er

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