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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1899-03-01 · Heft 3 (1.3.1899) · p. Seite 58

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
19 (1899)
Issue
Heft 3 (1.3.1899)
Date
1899-03-01
Page
Seite 58 (sequence 10)
Language
German
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58 Eusebius, der Davidsbündler, die Musik sei die am spätesten ausgebildete Kunst; ihre Anfänge seien die einfachen Zustände der Freude und des Schmerzes gewesen- — Demnach ist der Ursprung der Musik auf dem im Menschen herrschenden Trieb zurückzuführen, seiner Stimmung und Empfindung in Tönen Ausdruck zu geben. Es wäre daher ein ganz vergebliches Bemühen zu untersuchen, wo die Musik zuerst entstanden ist; — sie ist nirgends zuerst entstanden, sondern sie existirt als ein ganz natürliches Produkt der Kulturentwicklung jedes Volkes und des gegenseitigen Einflusses der verschiedenen Völker. Am Anfänge des Menschengeschlechtes, im Zeitalter der Sinnlichkeit, können die musikalischen Ausdrücke nur roher Natur gewesen sein, kaum mehr als ein monotones Brumnien oder Summen. Mit der wachsenden Kultur wuchs auch die Sorgfalt, welche man der Sprache und den sie begleitenden Accenten entgegenbrachte und so machte sich im jüdischen Altertum der selbständige Ton als Sprachaccent geltend, um den Parallelismus der Glieder der hebräischen Pöesie herausbilden zu helfen. Kein Volk der vorchristlichen Welt ist über diesen Standpunkt hinansgekommen; alle operieren nur mit dem Klange, und wo sie darüber hinausgehen, geschieht es meist nur, um den Ton zum Gegenstand verständiger Spekulation zu machen. Was nun die Höhe und den Charakter des Tones jener Zeiten sowie den Umstand betrifft, daß uns in keiner Weise Berechnungen oder Anhaltspunkte für dieselben überliefert worden sind, so erscheint es nur natürlich, daß jeder Begriff über die Musik des vorchristlichen Zeitalters für uns so gut wie verloren ist. Wir sehen ferner an der Geschichte der Völker, daß sich mit der Veränderung der Bildungsstufe auch die Wort- und die Tonsprache verändern. Wir selbst nehmen innerhalb dieser Bildungsstufen einen gewissen Standpunkt ein, von dem aus wir als ein Produkt unzähliger Generationen, ausgestattet mit einem modernen Gehörorgauismus, mit einer entsprechenden physischen und psychischen Beschaffenheit und Veranlagung, Musik in uns aufzunehmen, nie und nimmer in der Lage sein würden, die Spähre eines musikalischen Schaffens zu begreifen, das Jahrtausende hinter uns liegt. Dazu miißten wir Epigonen an der Neige des zweiten Milleniums christlicher Zeitrechnung unser ganzes Wesen, unsere ganze Gewohnheit zu hören, zu fühlen und zu verstehen, um so viel Bildungsstufen zurückschrauben, als sich innerhalb dreier Jahrtausende solche an der Menschheit vollzogen haben. Seien wir darum nicht engherzig — und wir sind es, indem wir uns in musikalischer Beziehung isoliren und immer von Neuem wieder von einer traditionell jüdischen Musik sprechen — sondern bekennen wir frank und frei, daß wir Juden das wunderbare Wachstum der jüdischen Musik selbst erlebt und verfolgt haben, daß auch wir teilgenommen haben an den musikalischen Errungenschaften der Jahrhunderte, die uns -in einer deutlich geordneten Notenschrift heute klar vor Augen liegen. Und hierin basiert meines Erachtens nicht der geringste aller Beweisgründe für die Richtigkeit des negirenden Resultates, denn dasjenige Volk, welches

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