Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 19 (1899)
- Issue
- Heft 3 (1.3.1899)
- Date
- 1899-03-01
- Page
- Seite 57 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2969669-2969865-2969869--5639-2974948- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
57 — Ägypten gezogen, ciuch wir, die wir hier den Auszug feiern; denn der Gott, der unsere Väter herausgeführt, als Gott in der Geschichte sich ihnen geoffenbart hat, ist unser Gott und der Geist, der in unfern Vätern den Zusammenhang mit den Urvätern bewahrt, ist auch unser Geist, wir sollen ihn hegen und weiter vererben, dann schafft er fort und fort in uns die innere Freiheit und zeigt und deutet uns die Berufung, welche der wahre Atem unseres Lebens ist. Hlever die Irage traditioneller Synagogenmufik. Von Hermann Zivi, Cantor der Synagogen-Gemeinde Elberfeld. Dank der Anregung der Herrn Professor Steinthal in Berlin, hat sich seit einigen Jahren ein Zweig wissenschaftlicher Forschung emporgeschwungen, der in verhältnißmäßig kurzer Zeit zu Dimensionen gelangt ist, welche die Notwendigkeit einer sachlichen Erörterung der Frage traditioneller Synagogen-Musik über jeden Zweifel erhaben erscheinen lassen. Man hat glücklicherweise beiderseits davon Abstand genommen, sich über die Existenzberechtigung des aschkenasischen und polnischen Chasonus herumzustreiten, man hat vielmehr die Frage an ihrer Wurzel gefaßt und ist zu der Überzeugung gelangt, daß die Fundamente früherer Untersuchungen sehr wackliger Natur seien. So hat sich allmählig die neue Frage heransgebildet: „Gibt es überhaupt eine traditionelle Synagogen- Musik, d. h. eine solche, deren Vorhandensein bis in die Periode des ersten Tempels .zurückzuführen ist? Manche glaubten diese Frage bejahen zu müssen, während andere, unter denen auch ich mich befinde, damals schon wie heute noch der unerschütterten Meinung sind, daß wir eine traditionelle Musik aus jenen Zeiten des grauen Altertums nicht besitzen. Das Verdienst, diese Frage präcisirt zu haben, gebührt Herrn Professor Breslaur in Berlin und ich nehme bei dieser Gelegenheit gerne Veranlassung, mich in den meisten Punkten mit ihm einverstanden zu erklären. Das Resultat seiner Forschungen ist mir indessen noch nicht sehr lange bekannt; keinesfalls aber hatte ich eine Ahnung davon, als ich im Januar 1897 in einer Versammlung jüdischer Lehrer in Siegburg und im Dezember desselben Jahres im Verein für jüdische Geschichte und Litteratur in Karlsruhe in Baden in einem Bortrage „Über die Musik im jüdischen Altertum" zu demselben Facit gelangte. Ich glaube, diese Thatsache spricht sehr für die Richtigkeit der beiden Resultate. Der Entwicklungsgang meiner Theorie ist nun etwa folgender: In den gesammelten Schriften über Musik und Musiker von Robert Schumann meint