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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1899-03-01 · Heft 3 (1.3.1899) · p. Seite 52

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
19 (1899)
Issue
Heft 3 (1.3.1899)
Date
1899-03-01
Page
Seite 52 (sequence 4)
Language
German
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—52 - Gewerbetreibenden sind Mitbürger und Deutsche, die durch ihre Steuern die öffentlichen Ausgaben mit bestreiten, die ihr Blut auf den Schlachtfeldern fürs Vaterland vergossen haben. Man sollte endlich ihr Schaffen und Wirken anerkennen als eine große Förderung des deutschen Reiches und Volkes! Aus einer Tischrede am Sederabend. Von Geheimrat Prof. M. Lazarus. Das Judentum beruht außer seinem dogmatischen (theologischen) und sittlichen Gehalt auf Geschichte; aber es hat nicht bloS, es ist Geschichte; nicht Geschichte, die man blos erzählt oder beschreibt, sondern Geschichte die man erlebt und lebt. Judentum ist historische Wirklichkeit. Jude sein heißt deshalb in der lebendigen Geschichte des Judentums stehen; sie mit erleben; ein guter Jude aber ist derjenige, der diese Geschichte mit Innigkeit und Liebe miterlebt, dem die Erhaltung und Erhebung, die Ehre und die Würde, der Fortbestand und die Fortbildung des Judentums am Herzen liegt. Glücklich derjenige, der dazu Mitwirken kann; die Pflicht eines Jeden ist es, sich als lebendiges Glied der Gemeinschaft zu fühlen, ihr Schicksal als eigenstes Erlebnis zu empfinden. Deshalb haben auch alle Feste des Judentums historische Bedeutung und mit tieffter Einsicht haben die Rabbinen alle als „Erinnerung an den Auszug aus Ägypten" betrachtet, das heißt an das historische Hauptereignis, welches an die Gründung des Volkes anknüpft. Die Feste waren früher und sind in der Bibel noch ausdrücklich bezeichnet als Naturfeste, also als solche, welche die großen Naturereignisse im rollenden Jahre feiern. Naturfeste sind religiös, weil sie den Blick vom äußeren Vorgang in der Natur aufs Innere lenken, die Endlichkeitserscheinung zur Idee der Unendlichkeit, aus der jene fließt, emporheben. Dagegen die Feste als historische wenden, sich an Gott, nicht blos als den allmächtigen Schöpfer und Ordner des Naturlaufes, sondern an Gott als den Gründer und Gebieter, als den Förderer und Förderer der sittlichen Weltordnung. Sogleich das erste der Zehngebote erfüllt unser religiöses Bewußtsein mit dem Gedanken an Gott in der Geschichte, indem es auf den Ausgang auf Ägypten hinweist. Auch einige der edelsten Sittengesetze, zum Beispiel die für ihre Zeit einzig dastehende über die liebreiche Behandlung der Fremden, sind an die ägyptische Erfahrung angeknüpft: „Ihr wißt ja, wie dem Fremden zu Mute ist" — die Völker sollten mehr als sie thun aus ihren Schicksalen lernen! — Auch dafür bietet die mosaische Gesetzgebung ein unvergleichliches Vorbild. Selbst der von der Geschichte eigentlich ganz unabhängige Sabbath ist dennoch mit Ägypten in

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