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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1899-03-01 · Heft 3 (1.3.1899) · p. Seite 51

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
19 (1899)
Issue
Heft 3 (1.3.1899)
Date
1899-03-01
Page
Seite 51 (sequence 3)
Language
German
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51 Kalisalze, der Leinenfabrikation, der Elektrizität, des Zeitungswesens. Und speziell hier in Berlin haben sie in vielen gewerblichen Branchen Großes geleistet, vor Allem um nur eines anzuführen, in der Confektion, die den Ruhm beanspruchen kann, eine der größten Exportindustrien Deutschlands, ja der Welt zu sein. Die Confektion hat in den letzten drei Jahrzehnten fünf Milliarden an Wert produzirt, sie beschäftigt 200.000 Personen, das ist mit den Angehörigen gut der sechste Teil der Bevölkerung. Also schon allein durch die Schaffung dieser Industrie haben sich die Juden um Berlin und Deutschland hoch verdient gemacht. Betrachtet man das alles vom Standpunkte des Volks- und Staatswohles, so kann man mit Recht fragen: Wie wäre ohne den industriellen und commerziellen Aufschwung und dessen hochgradige Förderung durch die Juden der kolossale Überschuß der Bevölkerung zu beschäftigen und zu ernähren, wozu die prahlerische Landwirtschaft weitaus nicht im Stande ist? Woher für diese selbst, zumal für die Agrarier der umfangreiche und billige Credit? Wie wären die Milliarden für Flotte und Heer aufzubringen? Wie der Wettbewerb mit den vorgeschrittensten und reichsten Nationen siegreich für Deutschland durchzuführen? Wahrlich, der Anteil der Juden an der großartigen Neugestaltung Deutschlands ist sehr bedeutend und überwiegend verdienstlich. Sie, der zum Schacher und Wucher zurückgestoßene Stamm, haben die staunenswerte Elastizität bekundet, daß sie nach Jahrhunderte langer Unterdrückung und Beschränkung auf wenige verachtete Berufszweige sich so nach allen Seiten ehrenvoll schaffender Wirksamkeit ausgedehnt und glänzend darin bethätigt haben. Und sie haben nicht allein das Materielle der Volkswirtschaft ins Auge gefaßt, sie haben auch für die Reform der Consumtion mitgewirkt, für die Erhöhung der ganzen Lebenshaltung, für den feineren Lebensgenuß. Ich glaube mich nicht zu irren, wenn bei aller Sparsamkeit der großen Mehrzahl der Juden sie den Sinn mitentwickelt haben für die Würdigung des Intellektuellen und des Ästhetischen. Sie haben aber auch die soziale Seite der wirtschaftlichen Verhältnisse nicht verkannt. Wie sie von altersher dem Gemeinsinn zunächst unter sich huldigten, so sind sie, sobald es ihnen ermöglicht worden, auch weiter hinausgegangen, sie haben ihre Humanität nicht nur für den eigenen Stamm und Glauben, sondern auch für die Gesammtheit ihrer Mitbürger und Mitmenschen bewährt. Und dieses echt Humane, das dem jüdischen Herzen eigen, hat sich besonders in der sozialen Frage geltend gemacht. Alle Richtungen der Sozialpolitik haben ihre hervorragenden Vertreter unter unseren Glaubensgenossen gefunden, nach allen Richtungen finden wir Juden unter Denen, die sie mitgbegründet haben und leiten. Den Refugiös, den aus der Fremde Gekommenen, zollt man noch heute und zwar mit Recht, Dank dafür, daß sie vor zwei Jahrhunderten Kunst- und Gewerbefleiß auf unseren Boden verpflanzt haben. Die jüdischen Kaufleute und

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