Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 19 (1899)
- Issue
- Heft 3 (1.3.1899)
- Date
- 1899-03-01
- Page
- Seite 50 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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50 der Juden, das sie vor allem durch Bank und Börse der Produktion und dem Verkehr nutzbringend zuführen. Aber auch im Warenhandel spielen die Juden wahrlich eine bedeutende Rolle. Freilich, auch der Warenhandel wird heute nicht mehr für voll angesehen. Da die Juden vermöge ihrer tausendjährigen Geschichte noch heute vorzugsweise darauf angewiesen sind, so ist das ein s neuere Grund, umden Antisemitismus zu verschärfen. Aber ist die Mißachtung des Handels gerecht? Je mehr die nationale und internationale Arbeitsteilung Platz greift, je niehr alles im Großen produzirt wird, um so weniger ist der Kaufmann zu entbehren. Es giebt vielleicht einzelne Handelszweige, die überflüssig oder gar schädlich sind. Der Handel als solcher aber ist produktiv, und dielMißbräuche teilt er mit allen anderen Produktionszweigen. So nützlich und ehrenhaft der Handel ist, so erscheint es doch als wesentlicher Fortschritt, daß die Juden sich von dieser immerhin einseitigen Erwerbsquelle mehr und mehr frei gemacht und den Übergang zu der eigentlichen Produktion genommen haben. Schon seit Anfang dieses Jahrhunderts bestehen Vereine, die die Juden dem Ackerbau und^Handwerk zuführen. Das Handwerk im engeren Sinne ist in der Zwischenzeit in Folge der wirtschaftlichen Verhältnisse mehr in den Hintergrund getreten. Die jüngere jüdische Generation hat mit richtigem Blick erkannt, daß der Maschinentechnik und dem darauf beruhenden Großbetriebe die Zukunft gehöre. Der Besuch besonders technischer Hochschulen seitens jüdischer Jünglinge ist bedeutend. Eine genaue Statistik über die Beteiligung der Juden an den technischen Gewerben giebt es nicht, aber die Adreßbücher, die Ausstellungsberichte und schon die persönliche Bekanntschaft im größten Teile Deutschlands haben mir genügenden Anhalt über ihre große und stetig wachsende Vertretung selbst in der Landwirtschaft, noch weit mehr aber in fast allen Zweigen der industriellen Produktion gegeben. Es seien nur beispielsweise und summarisch genannt als Industriezweige, in denen die Juden eine ansehnliche, vielfach eine hervorragende Stellung einnehmen: Berg- und Hüttenwerke, Glashütten, chemische Fabriken, Getreide- und Ölmühlen, Mälzerei, Bierbrauerei, Spritfabriken, Tabak- und Cigarrenfabrikation, Papierbesonders Luxuspapierfabriken, Textilindustrie im weitesten Umfange, wie Leinen-, Damast-, Baumwoll-, Tuch- Buckskin-, Plüsch-, Velvet-, Teppich-, Spitzenrc. Fabrikation, Confektion aller Art, Maschinenbau, Elektrizitätswerke, Waffenfabrikation, Bauwesen, Möbel-, Lampen-, Gold-, Silber- Jnwelenarbeit, Buchdruck- und Zeitungswesen. In einem großen Teil dieser Produktionszweige — ja auch der Landwirtschaft, wie in der Hopfenkultur — haben Juden neue Entdeckungen und Erfindungen gemacht und, was kaum weniger bedeutsam, neue Betriebs-, Bezugs- und Absatzorganisationen bahnbrechend geschaffen, so auf den Gebieten der Farben, der