Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 19 (1899)
- Issue
- Heft 2 (1.2.1899)
- Date
- 1899-02-01
- Page
- Seite 45 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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45 stellen waren sie durch das Gesetz voll 1812 ausgeschlossen, und da der König an dieser Vorschrift streng festhielt, so befand sich während der langen Friedensjahre nach den Freiheitskriegen nur ein einziger jüdischer Offizier in der Linien-Armee, der langjährige Lehrer an der Artillerieschule, Burg, ein musterhaft bescheidener und tüchtiger Soldat." Treitschke setzt dann selbst noch hinzu: „Die jungen Teutonen hatten natürlich kein Auge für die verwickelten historischen Thatsachen, welche den unmilitärischen Sinn der Juden nur zu leicht erklärten." — Die Palästina-Ausstellung der Produkte jüdischer Arbeiter und Ackerbauer in Frankfurt a. W. die bezweckt, das Absatzgebiet dieser Produkte zu erweitern, die Erzeugnisse in Süddeutschland bekannt zu machen und ihnen daselbst einen Markt zu verschaffen, erfreut sich großer Teilnahme. Die Ausstellung umfaßt Getreide, Früchte, Honig, Seife, Parfümerien, Rosenwasser, Holzschnitzereien, selbsterzeugte und in eigenen Kellereien ausgebaute Weine u. a. m.; sie wird bis Ende Februar dauern. — Ein Legat von 100/000 Mark hat der Geheime Commerzienrat Albert Hahn, der jüdischen Gemeinde in Kerlin zu Gunsten des Fonds für entlassene Zöglinge des Waisenhauses überwiesen. — Bei den Repräsentantenwahlen in Herlin ist das liberale Element wieder zu Einfluß gelangt, ein Zeichen, daß die Reformbestrebungen wieder im Aufschwünge begriffen sind. — Das stenographische Protokoll (Deutsche Ausgabe) der Verhandlungen des II. Kongresses zu Hasel ist erschienen. — In einem Aufsatze „Unsere Orthodoxie" heißt es in der „Allgem. Zeitung des Judentums". „Ter größte Feind des Judentums ist die Unwissenheit, und die schlimmste Orthodoxie ist die, welche aus dieser Unwissenheit hervorgeht." „Der Ignorant darf nicht überfromm sein", lehrten daher die Weisen Israels. Die meisten Streitigkeiten in der Judenheit, namentlich die unserer Zeit, haben ihren Ursprung darin, daß sich der Ignorant, der „Am-Haarez", als Fronuner, als „Chassid" geberden will und dabei natürlich nicht weiß, wofür er zü eifern hat. — Was soll man aber von unseren spezifisch Berliner Neuortodoxen halten, die mit der „Schinkenstulle" in der Hand für den „Schulchan-Aruch" schwärmen? Geiger (Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben II., 367) sagt von dieser Neuortodoxie: „Allerdings ist sie in ihren Führern eine künstliche Frucht; sie war von vornherein forcirte Übertreibung, gemachtes Echauffement, und sie kann sich nur erhalten in der Temperatur der Siedehitze, sie muß sich ereifern, um nicht zu erlahmen." — Die Hauptlehrerin Fräulein Katherine Mayer in Köln beging jüngst das Jubiläum fünfzigjähriger ununterbrochener Lehrthätigkeit an der städtischen israelitischen Mädchenschule. Der königliche Schulrat Dr. Krändenberg überreichte im allerhöchsten Aufträge der Jubilarin ein prachtvolles Bild der Kaiserin. — Der sechzehnte Jahresbericht des israelitischen Hilfsvereins in Frankfurt a. W. (Verein zur Beschränkung des Wanderbettels), den Zeitraum vom 1. Oktober 1897 bis 30. September 1898 umfassend, ist erschienen. Der segensreich wirkende, rührige und vortrefflich geleitete Verein, hat in dem Berichtsjahre bei einer Ein-