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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1899-02-01 · Heft 2 (1.2.1899) · p. Seite 43

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
19 (1899)
Issue
Heft 2 (1.2.1899)
Date
1899-02-01
Page
Seite 43 (sequence 19)
Language
German
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43 und uns zur Auswanderung dahin verlocken will, so weisen wir ihm einfach die Thür. Der Herr Stadtpfarrer verzweifelt an der Möglichkeit der Assimilirung zwischen Juden und Christen und weiß deshalb keinen anderen Rat als — Zion. Möge er sich doch darüber nicht die Köpfe von uns Juden zerbrechen! Die letzten Reichstagswahlen brachten dem lauten Antisemitismus, dem politischen Antisemitismus eine schwere Niederlage. Bei den nächsten Wahlen in 5 Jahren wird er zweifellos vollends eingesargt werden. Und dem lauten Antisemitismus wird sein Bruder, der stille, langsam und deutlich allerdings, aber auch er wird ihm Nachfolgen. Dafür gibt es schon Anzeichen genug! Auf der anderen Seite, auf der Seite von uns Juden war die antisemitische Bewegung nicht vergebens: man sucht dem, was an dieser Bewegung berechtigt war, Rechnung zu tragen. Die Juden wenden sich mehr und mehr nützlicher Thätigkeil zu und stellen ihren Mann auf dem Gebiete der Industrie, der Kunst und Wissenschaft. Wer aber wird einen tüchtige» Industriellen, einen bedeutenden Künstler oder Gelehrten noch gering schätzen, nur deshalb weil er ein Jude ist? Man sieht: auf beiden Seiten werden die Wege geebnet zur Verständigung und es braucht keine Prophetengabe, um vorauszusehen, daß in einer nicht gar fernen Zeit der alte Streit begraben und Christen und Juden im lieben Deutschland sich als Brüder die Hände reichen werden. So stehen die Aktien, Herr Stadtpfarrer, und deshalb schließt dieser Artikel frei nach Bismarck: „nach Palästina gehen wir nicht!" — In der Zeitschrift „Nathanael" von Prof. Hermann L. Strack füllt das VI Heft Jahrgang XIV ein Aufsatz über das Schächten (das rituelle Schlachten) bei den Juden von Pfarrer Friedr. Weichmann in Sternberg (Neumark) aus welchem wir Nachstehendes den Tierschutz-Vereinen besonders empfehlen möchten: Man sollte also niit dem Agitieren gegen den den Juden einmal „gesetzlich-heiligen" Ritus aufhören. Die Religion ist uns Christen in erster Linie Glaube; dem Juden ist sie Gesetz und Thiln. Bei ihm dreht sich alles um „Erlaubt?, verboten?" Wir dürfen keinen Zwang ausüben, um die Juden an dem zu hindern, was sie nach der Ailslegung ihres Gesetzes für geboten halten. Der anders als mit Waffen des Geistes geführte Kampf gegen religiöse Gebräuche ist immer aussichtslos. Der italienische Arzt Dr. Vincenzi in Sassari hat unlängst in dem Weihwasserkessel einer belebten Kirche eine Menge von Bakterien, auch Diphteriebacillen gefunden. Will man den Gebrauch des Weihwassers verbieten?! Und von den gegen das Schächten erhobenen Beschuldigungen ist doch keine einzige wirklich treffend. Durch unerwiesene Beschuldigungen erbittert man nur, noch mehr durch erweislich falsche. Jedem Mitmenschen gegenüber sollen wir mit Liebe gepaarte Wahrhaftigkeit bethätigen; auch denen, die nicht unsres Glaubens Genossen sind. — In Königsberg i. Pr. ist Dr. Felix Kerles aus München zum Hilssprediger und Religionslehrer gewählt worden. — Der Vorstand der Berliner jüdischen Gemeinde hat einen Verwaltungsbericht für die Zeit vom 1. April 1895 bis 31. März 1898 herausge-

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