Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 19 (1899)
- Issue
- Heft 2 (1.2.1899)
- Date
- 1899-02-01
- Page
- Seite 42 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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- 42 — ivelche etwa 6000 Bände stark ist und in den nächsten Tagen hierher überführt werden wird, ist reich an Seltenheiten (worunter hervorragende Uuika) nament- 'lich an Inkunabeln. Ihre wissenschaftliche Bedeutung besteht hauptsächlich in einer einzigartigen Sammlung von hebräischen Gebetbüchern aller Zeiten, aller Länder und Städte, wie wohl wenig andere Bibliotheken sie aufzuweisen haben. Die Schenkung der Bibliothek Berliner vollendet den systematischen Ausbau der vorher schon so bedeutenden Abteilung der Hebraica und Judaica der Frankfurter Bibliothek, welche damit für diese Fächer, was Druckschriften anlangt, zweifellos an die Spitze aller öffentlichen Bibliothen des Festlandes tritt. — Herr A. Gumbel in Heilbronn schreibt in der „Heilbr. Ztg." wie folgt: „Wenn ein Fremder von ungefähr in das hiesige evangelische Vereinshaus geraten wäre und dort den Vortrag „über den Zionismus oder das Erwachen der jüdischen Nation" gehört hätte, so hätte er ohne Zweifel während desselben einmal seinen Nachbar gefragt: „Ist der Redner ein Agitator des Zionismus, e>n Abgesandter des großen Herzl oder des noch größeren Nordau?" Mit einer Liebe und mit einer Breite und Gründlichkeit, die einem zionistischen Agitator gut angestanden hätte, schilderte Herr Stadtpfarrer Stähle die Bestrebungen der Zionisten und er nahm diese Sache so ernst, daß er sogar gründliche staatsrechtliche Belehrungen darüber gab, wie die Juden nach Errichtung des neuen Judenstaates in Palästina sich zu verhalten hätten: daß sie optiren müßten zwischen diesen und den Staaten, die sie jetzt bewohnen, welche Rechte sie bei einer Option für Zion in Deutschland behielten u. s. w. u. s. w. Er ließ bereits Gesandte des zionistischen Staates auf der Bildfläche erscheinen und konnte sich gar nicht genug thun im Lob dieser „großen Idee", der er die menschliche und sogar die „christliche Teilnahme" zusicherte. Er sprach von der „Wucht des ausgesprochenen Gedankens", von dem riesigen Anklang, den die Sache unter den Juden finde, so daß ohne Zweifel nicht wenige der Zuhörer und Zuhörerinnen gestern Abend heimwärts pilgerten im Glauben, daß nächstens der Auszug der Kinder Israels nach Palästina beginne. Dem gegenüber freut sich der Schreiber dieses, dem Herrn Stadtpfarrer sagen zu können, daß wir deutsche Juden oder richtiger wir jüdische Deutsche — abgesehen vielleicht von ein paar Dutzend überspannten Köpfen — den Zionismus für ein leeres Hirngespinst betrachten, für das wir nur ein Lächeln haben. Der Herr Stadtpfarrer sprach von der „Verbannung", in der wir Juden jetzt lebten. Möge er sich daher gesagt sein lassen, daß wir Juden uns trotz alledem und alledem durchaus nicht als Verbannte fühlen. In der Verbannung wären wir — in Jerusalem. In Deutschland aber sind wir in unserer lieben Heimath, die uns ans Herz gewachsen ist, so gut wie unseren christlichen Mitbürgern. Wir sagen mit ihnen aus Herzensgrund: „Hie gut Württemberg allweg" und singen so gut wie sie: „Deutschland, Deutschland über alles, über alles in der Welt." Kommt aber einer, der uns die Süßigkeiten eines neuen Judenstaates in Palästina schildert