Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 19 (1899)
- Issue
- Heft 2 (1.2.1899)
- Date
- 1899-02-01
- Page
- Seite 38 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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38 ein Goldbergwerk? Ich bin ein armer Teufel wie Sie. Glauben Sie mir, man fühlt sich ärmer mit einer Million, als mit keiner, Auri sacra fames, hat ein römischer Witzbkattredakteur gesagt; der verfluchte Goldhunger! Wenn ich noch einmal auf die Welt komme, werde ich entweder gleich Nihilo-Auarchist oder ein richtiger Argoirtuinsxtorobrouickes a la Plautus, ein Goldausschinder, aber kein anständiger Goldmacher, wie diese großen Sechsnullen-Matadore da unten. Entweder, oder! Das Gegenteil ist vielleicht nobler, menschlicher, sogar praktischer, aber es muß auch wieder ein Zola'sches Hochgefühl sein, alle Brutalität des Geldes in sich zu vereinigeu, in einen Finanz-Nero . . . Da, setzen wir uns auf diese Banknebenstelle. Wir setzten uns auf die Bank gegenüber den Krösusgräbern . . . Dr. Beißer starrte mit dein richtigen Seherblick in den nachgerade glühenden Westhimmel. Die schmerzzerissenen Trauerweiden und wurmstichigen Thujen hoben sich wie von Goldgrund ab. Die Sonuenscheibe tauchte eben einem ueuge- Prägten riesenhaften Zwanzig-Mark-Stück gleich hinter die Häuser der Vorstadt. Dann hob er wieder an: „Haben Sie einmal unstr Frankfurt an einem solchen goldenen Abend gesehen, etwa von der Eisenbahn aus? Wie die Hauptstadt des Goldlandes Eldorado. Goldene Berge, die ich Ihnen gern verspreche, umgeben die Wiesen, auf denen goldene Kälber grasen. Der Main gleicht dem goldführenden Flusse Paktolus, über den ich Ihnen auch, wenn Sie etwa Ihr Darlehensgeschäft mit mir storniren wollen, eine goldene Brücke baue. Auf diese Brücke führt eine Landstraße zu, augenscheinlich die goldene Mittelstraße. Und auf ihr muß ich jetzt in die Stadt zurück, weil mein Onkel Goldschmidt heute seine goldene Hochzeit feiert. Also sprach Dr. Beißer und erhob sich von der Mobiliarbank, und ich folgte seinem Beispiel. Im Westen glühte und flammte der Himmel in goldiger Haussestimmung weiter, wir aber wandten uns ostwärts und fuhren, zwei mißmutigen Baissiers gleich, in die Sadt zurück. Jüdische chememdeordnungen im Wittel alter. Über dieses Thema hielt Herr Rabbiner Dr. Löwensteiu aus Mosbach im Verein für jüdische Geschichte und Literatur in Hamburg einen Vortrag. Die Ausführungen des Redners, die einen Beitrag zur Culturgeschichte bildeten und ein nur wenig bekanntes Gebiet berührten, gingen einleitend davon aus, daß sich in den jüdischen Gemeinden schon frühzeitig das Bestreben nach