Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 19 (1899)
- Issue
- Heft 2 (1.2.1899)
- Date
- 1899-02-01
- Page
- Seite 37 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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37 gruppe." Dann stemmte er die behandschuhten Fäuste in die Hüsten, wiegte wieder sehr spinozistisch den Kopf und sagte achselzuckend: „Ja, goldenen Marmor gibt es eben doch nicht." Er führte mich dann zu einem anderen Rothschildgrab. Wiederum eine mächtige Marmortruhe, mit einer marmornen Brokatdecke bedeckt, in die das freiherrliche Wappen und hebräische Sprüche eingestickt sind. Schwere Kränze liegen auch da, deren marmorne Bandschleifen sich in mäandrischen Krümmungen an den Ecken auflagern. Hebräische und deutsche Inschriften ohne jede Phrase decken die Seitenflächen. „Anselm Meyer Freiherr von Rothschild" — „geboren den 12. Juni 1773, gestorben den 6. Dezember 1855. Er ruhe in Frieden" . . . „Das ist schon die zweite Generation, der große Frankfurter, der eigentliche sogenannte „Frankfurter Rothschild"," sagte mein Begleiter, der diesen Todten besonders zu würdigen schien. Ein anderes sehr großes Grabmal, mit Eckvasen und Sockeln, deckt den „Neapolitaner", Karl Meyer, Vater des Meyer Karl. „Köüiglich sizilianischer und erzherzoglich parmesanischer Generalkonsul, Großkomthur und Ritter vieler hoher Orden" (1788 bis 1855). „Da stehen auch noch andere Titel und Würden, menschliche," sagte Dr. Beißer, und buchstabirte mir eine Inschrift vor: „Ein treuer Gatte, ein zärtlicher Vater, ein weiser Ratgeber, ein zuverlässiger Freund, den Armen gefühlvoller Wohlthäter . . . Übrigens^ obgleich ich Sozialist bin, gebe ich der Wahrheit die Ehre ... es gibt Grabschriften die ich nicht so ohne weiteres giriren würde, wie diese da." Daneben liegt unter einem hohen Mal mit Ecksäulen eine Freifrau Adelheid. Eine Eva, geborene Hanau, aus schlichterer Zeit, begnügt sich mit einer grauen aufrechten Steinplatte. Ein neunzehnjähriger Anselm Alexander Karl, aus Neapel, wird als „würdiger Sprosse tugendreicher Eltern" gerühmt. Diese italienischen Denkmäler sind besonders stattlich; aus dem Bildhauerlande kehrt man selbst todt nicht zurück, ohne plastische Passionen mitzubringen. Man läßt sich mehr oder weniger italienisch beerdigen. Auf dem jüdischen Friedhof zu Mailand stehen jetzt schon ganze Himmelbetten aus Marmor, mit schweren Draperien und meisterlich modellirten Blumenguirlanden. Wie lange noch, und es werden die Marmorbildnisse der Verstorbenen folgen, trotz der uralten bilderscheuen Satzung. An den neuesten Rothschildgräbern der achtziger Jahre kommen marmorne Blumen vor und Vasen und sogar ein klassisches Grabtempelcheu aus Palästina, nach Art von „Rahel's Grab"; die Damen des Hauses erhalten elegantere, modischere Denkmalformen. „Und der Staub kehret wieder zur Erde, wie er gewesen, und der Geist kehret wieder zu dem Herrn, der ihn gegeben hat," las mein Begleiter auf einer der Marmorflächen. Er melodisirte den Satz unwillkürlich, er psalmodirte ihn, während er den Arm in den meinen hing und mich schrittweise den Weg hinabzog. „Ach was, wir Sozialdemokraten . . ." fuhr er dann auf- „Sehe ich ans wie