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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1899-02-01 · Heft 2 (1.2.1899) · p. Seite 32

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
19 (1899)
Issue
Heft 2 (1.2.1899)
Date
1899-02-01
Page
Seite 32 (sequence 8)
Language
German
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32 kleiner Fürst unter den ihn verehrenden Stammesgenossen, und noch nie habe einer seiner „Chassidim" ohne des Rabbi's Rat irgend etwas unternommen. Keiner von ihnen, erzählte mir ein alter Jude, habe noch seine Tochter einem Manne zur Frau gegeben, den nicht des Rabbis hellsehender Blick als den richtigen „Siwig" erkannt habe. Glücklich der, dessen Haupt Rabbi Jtzics Hände gesegnet, und wehe dem der sich dessen Unwillen zugezogen, sagte eine alte Frau; mein Schwager, Gott Hab' ihn selig, wußte davon zu erzählen; der Fluch eines Rabbi's lastete auf ihm während seines ganzen Lebens. Erzählt, erzählt, Channe, baten die Umstehenden. „Hört, begann sie, es war an einem Sabbat. Am Tische des alten Cz . . . Rabbi's hatten sich wie gewöhnlich viele Juden versammelt, unter ihnen war auch mein Schwager. Man hatte bereits das Mahl verzehrt, der Kampf um die „Lvlleraim" war beendet und der Wein floß in Strömen. Mein Schwager hatte ihn gespendet. Heitere.Stimmung hatte um sich platzgegriffen, es wurden biblische Stellen erläutert und der Gesang der Gottpreisenden tönte weit in die Ferne. Der Rabbi war von dem Jubel, der an seinem Tische herschte, freudig gestimmt, und er sprach zu meinem Schwager: „Berl, du hast dir Mühe gegeben, mir eine Freude zu bereiten, wünsche nun etwas, dein Wunsch wird in Erfüllung gehen". Eine Weile verging. „Nichts wünsche ich", antwortete dann selbstbewußt Berl. „Nichts wünschest du. entgegnete gekränkt der Rabbi, so möge auch dies nicht an dir in Erfüllung gehen". Und richtig, fuhr die alte Channe fort, des Rabbi's Wort ging in Erfüllung. Sein Vermögen schwand von Tag zu Tag, er wurde ein Bettler und am Sterbebette rief er schluchzend aus: „Kinder, befreit Ihr euch von dem Nichts!" Channe hatte geendet. Thränen entströmten ihren Augen. „Ich werde Rabbi Jtzig bitten, sagte sie, von uns den Fluch seines Ahnen zu lösen." Diese Ezählung übte auf die Lauschenden einen eigentümlichen Eindruck aus. „Ja, ja sagten viele in ihrem Fanatismus bestärkt, ein solcher Rabbi vermag viel". — „Der Rabbi kommt!" ertönte unterdessen ein Ruf. Die Menge drängte sich heran, mehrere Wagen fuhren vor. Bärtige Juden entstiegen ihnen, als erster der Rabbi. Einen Blick konnte ich nur auf die blassen Züge des Mannes werfen, dann geleitete man ihn in die für die Zeit seines Aufenthaltes gemiethete Wohnung. Die Menge stürmte in den Hof. Alles wollte dem Rabbi „Schülern“ geben. Ich drängte mich nach Thüre und Fenster waren belagert. Die Menge wollte mit Gewalt eindringen. „Zurück", schrie der Wachehaltende „Gabe",*) zurück! Der Rabbi will ruhen, gönnt ihm Ruhe. Morgen wird er „prawwen“.**) *) Leibdiener. **) Audienz erteilen-

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