Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 19 (1899)
- Issue
- Heft 2 (1.2.1899)
- Date
- 1899-02-01
- Page
- Seite 31 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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31 cismus religiös. Er drängt zur Unificirung aller Religionen. Wie alle Kulturvölker von der Vielgötterei zum Eingott übergegangen sind, so müssen sich auch die Formen seiner Anbetung immer mehr anähulichen und vereinheitlichen. Kein Fortschritt der Wissenschaft kann auf die Dauer diesen Eingott entthronen; denn Gott ist dem denkgeübten Menschen eine Denknotwendigkeit und alle Wissenschaft kann nur beweisen, daß und welche Gesetzmäßigkeit alles Geschehene beherrscht, aber nicht warum Gesetzmäßigkeit und warum gerade diese Gesetzmäßigkeit vorhanden ist. Vereinheitlichung und Befestigung des Gottesglaubens ist nach Stein die Zukunft; was ist das aber Anderes, als der uralte Glaube des Judentums: „Der Ewige wird herrschen über alle Völker immerdar!" Wenn Wunderravvi. Von Salomon Kassner. Gar oft habe ich den märchenhaft klingenden Erzählungen von den Wunderthaten des einen und des anderen Wunderrabbi's gelauscht und schon lange hatte sich mein junges Herz darnach gesehnt, einen solchen Wundermann persönlich kennen zu lernen. Ein Zufall führte mir nun vor Kurzem einen solchen Mann in die Nähe. Es war an einem schwülen Nachmittage, am Himmel erblickte man düstere Wolken, die den nahen Rege» ankündigten, als ein ungewohnter Lärm mich an's Fenster lockte. Das wirre Durcheinandelaufen langbärtiger Juden, das Schreien der angesammelten Menge, wie diese selbst, befremdeten mich. In der sonst so stillen Gasse, in der meine Wohnung liegt, herrschte ja heute Jahrmarktsgetümmel. Irgend etwas Besonderes mußte da vor sich gehen. Ich trat hinaus, um nach der Ursache des Lärmes zu fragen und erhielt die Antwort, der Rabbi kommt, der große Rabbi aus Kopyczynce. Die Zahl der Neugierigen wuchs von Minute zu Minute. Die Gasse war von Menschen iiberfluthet. Alles wollte ihn sehen, den wunderbaren Mann, die Autorität eines großen Teiles der Judenschaft, der ein so großer Ruf voran geeilt war. Ich gesellte mich zu der Menge und vertrieb mir die Zeit, indem ich bei den einzelnen Gruppen stehen blieb und nach dem Wesen des Rabbi's herumfragte. Er sei ein reicher Mann, gab man mir zur Antwort, residiere wie ein