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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1899-02-01 · Heft 2 (1.2.1899) · p. Seite 33

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
19 (1899)
Issue
Heft 2 (1.2.1899)
Date
1899-02-01
Page
Seite 33 (sequence 9)
Language
German
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33 Trotz dieses Bescheides stand die Menge bis am frühen Morgen, und das Auge des Glücklichen strahlte vor Freude, das durch eine Fensterritze den ruhenden Rabbi erblicken konnte. Ich beschloß am nächsten Tage beim Rabbi vorzusprechen, um die so gefeierte Größe persönlich kennen zu lernen. Frühmorgens war ich schon auf den Beinen und ging zum Rabbi. Die Menge umstand noch immer dichtgedrängt den Eingang. Es' war unmöglich hineinzugelangen. Man gab mir den Rat in später Nachtstunde zu kommen, dann werde es möglich sein, den Rabbi zu sprechen. Ein Hindlirchdrängen schien unmöglich. Ich sah dies ein und kam am Abend. Aber noch immer war der Andrang groß, ja viel größer als am Morgen. Ich beschloß nun, mir um jeden Preis, den Eintritt zu ermöglichen. Es war mir bereits,gelungen, bis zur Thüre zu gelangen. Da bot sich meinen Augen ein entsetzliches Schauspiel dar. Da stand einer mit zerquetschtem Arm, einer mit verwundetem Kopf, und doch wollte alles hinein. Kranke Kinder hatte man sogar mitgeschleppt, um des Rabbi's Segen für sie zu erflehen. Meistenteils aber waren es arme Leute, die vom Rabbi Hoffnung, Hilfe und Rettung erwarteten. Sie weinten, sie flehten, daß man ihnen Eintritt gewähre. Umsonst! Wer nicht dem „Gabe" einen Obolus in die Hand drückte, kam nicht hinein. Da ermannte sich die Menge. Sie erstürmte die Thür und drang hinein. Ich drängte mich nach. Ich befand mich nun in dem Zimmer, in welchem „Quitte!"*) geschrieben wurden. Ich begehrte keines und ging in das zweite Zimmer. Es war das eigentliche Vorzinimer, das bereits dicht gefüllt war. Ich wartete. Man musterte mich von allen Seiten. Es gehörte doch zu einer Seltenheit, einen ..Deutschgekleideten" wie sie mich nannten, beim Rabbi zu sehen, und so kam es, daß ich beim Wunderrabbi wie ein Wundertier angestiert wurde. Bald ertönte eine Glocke. Der Rabbi rief dem Gabe. „Laß' die Leute eintreten", sprach eine weiche Stinime aus dem nächsten Zimmer. Man ließ uns nun hinein. Ich befand mich in dem Audienzzimmer, dem Rabbi gegenüber. Er saß auf einem Fauteuil, die Hand, die mit dem Ellenbogen auf dem Tisch ruhte, hielt er vor der großen Stirne, seine Füße ruhten auf einem Polster. Der Mann schien die Dreißig noch nicht überschritten zu haben. Sein Gesicht zeigte krankhafte Blässe, die eingefallenen Wangen bewiesen, wie wenig Ruhe der Mann sich gönnte. Auf seinen Zügen ruhte heiliger Ernst. Aus tiefen Höhlen schauten ein paar hellblickxnde Augen wirkungsvoll auf die Anwesenden, die ganze Haltung des Mannes war ehrwürdig, respekteinflößend. Auf dem Tische lagen Bücher. Neben dem Rabbi stand der „Leibgabe", der Befehle gewärtig. Der Rabbi reichte dem Vortretenden die Hand. Es war ein alter Mann der dem Rabbi das „Quittel" reichte. Der Rabbi las dasselbe und schüttelte be- *). Zettel, auf welchen das Verlangen der Vorsprecher geschrieben wird.

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