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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1899-02-01 · Heft 2 (1.2.1899) · p. Seite 30

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
19 (1899)
Issue
Heft 2 (1.2.1899)
Date
1899-02-01
Page
Seite 30 (sequence 6)
Language
German
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30 Auch der religionslos erzogene John Stuart Milk hat als reiferes Resultat seiner großen Welt- und Lebenserfahrung jene drei Abhandlungen über Religion niedergeschrieben, welche in den Gottesglauben als unzerstörbare Hoffnung des Erdenpilgers ausmünden. „Gewiß kann im heutigen geordneten Gesellschaftsznstand" sagt Stein, „ein vereinzeltes Exemplar aus atheistischem Fanatismus vermeintlich religionslos erzogen werden und leidlich dabei gedeihen, wie denn auch Krüppel zur Welt kommen und sich ein annehmbares Verhältnis zur Mitwelt znrechtschnitzen oder auch Selbstverstümmelungen aller Art nicht selten sind. Allein wie zum vollen Ausleben einer ganzen Persönlichkeit die gleichmäßige Ausbildung und Inanspruchnahme aller unserer körperlichen Organe und psychischen Funktionen gehört, so n>ird auch die ganze Persönlichkeit ohne gewisse Beziehungen zum Übersinnlichen und Unfaßbaren auf die Dauer nicht auskommen können; die Masse vollends ganz und gar nicht . . . Wie der civilisierte Mensch unseres Zeitalters ohne Rechtsbewußtsein und Gewissen nicht wohl zu denken ist, und falls ein solches Exemplar auftaucht, dies von dem Psychopaten als pathalogische Anomalie be- ' handelt wird (moral insanity), so ist, von philosophischer Seite gesehen, der konsequent sein wollende Atheist nur als Opfer des Unverstandes oder als psychische Anomalie zu erklären". Stein verzichtet in dankenswerter Weise darauf, die Religionen auf ihren Wahrheitsgehalt zu prüfen, dies ist Aufgabe der gesammten Weltgeschichte, nicht eines einzelnen Individuums. Desto ausführlicher untersucht er die sozialen Funktionen aller Religionen; er erblickt sie in der durch den frommen Sinn bewirkten Abschleifung thierisch-ungezngelter Affekte zu Gunsten eines geordneten Zusammenlebens der Menschen und in der Vergeistigung des Zusammenlebens durch gemeinsame Ahnenverehrung, Überlieferung von Sagen und Darbringung von Opfern. „Was wir also den Religionen verdanken? Alles. Die von Lubock sogenannten religionslosen Stämme sind zugleich geschichtslos und kulturunfähig. Die Religionen haben gewissen Völkern den gleichen Dienst geleistet, wie die Menschen gewissen Thierarten: sie haben sie gebändigt, an die Scholle gefesselt, domesticirt! Im Kampfe gegen die böte humaine war die Religion die zuverlässigste Waffe, welche der Mensch im Ringen um seine geistige Existenz sich geschmiedet hat." Interessant ist speziell vom jüdischen Standpunkt aus die Anschauung Stein's über die Zukunft der Religion. Die Hunderte von Religionsformen der Weltgeschichte haben sich mit der Zeit im Wesentlichen um acht Religionstypen krystallisirt; in dreien von diesen zumindestens, nämlich im Buddhismus, Christentum und Islam, tritt der Ehrgeiz, eine Weltreligion zu bilden, deutlich zu Tage. Was das Imperium romaaum Politisch angestrebt hat, das versucht der Katholp

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