Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 19 (1899)
- Issue
- Heft 2 (1.2.1899)
- Date
- 1899-02-01
- Page
- Seite 29 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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29 so lange werden die Anderen es sogar als einen Fluch betrachten; die Besten müssen dem Ziel allzeit eine Begriffslänge näher sein — so ziehen wir die Anderen mit. — Nach den mehrfachen Zuschriften die mir bereits aus Ihren Kreisen wurden, habe ich keinen Zweifel, daß auch bei Ihnen der Boden für eine endliche gemeinsame Arbeit am Reiche Gottes gut vorbereitet ist. — Lassen Sie uns „Mitarbeiter" sein. — In aufrichtiger Ergebenheit M. von Egidy. Ludwig Stein über den Ursprung der Uetigionen u. ihre IuÜunft. Den Ursprung der Religion verfolgt Ludwig Stein sowohl in der Seele des Einzelmenschen, als auch in den äußeren Existenzbedingungen der Gesäumtheit. Mit großer Feinheit versteht er es, das revolutionäre Dogma Feuerbach's, daß der Mensch sich seinen Gott nach seinem Ebenbilde vorstelle, seiner religionsfeindlichen Spitze zu entkleiden, ohne doch das augenfällig Richtige daran in Abrede zu stellen. Daß der Mensch einen Hang hat, sich seinen Gott menschenähnlich vorzustellen, wird durch die Geschichte aller Religionen so zweifellos bestätigt, daß es im Prinzips gar nicht geleugnet werden kann. Aber nach Stein's Anschauung findet diese Ausbildung der Gottesvorstellung erst auf einer hohen Entwicklungsstufe des Menschen statt. Für die Anfänge aller religiösen Gefühle gilt dagegen der Satz, daß sie ihren Ursprung der Frucht verdanken, welche der Conflikt mit übersinnlichen, unangreifbaren Schicksalsmächten im Gemüte des Naturmenschen zurückläßt. Dies ist die letzte psychogenefische Wurzel der religiösen Gefühle. Dieser Satz könnte dazu ausgebeutet werden, in allen Religionen einen Aberglauben zu erblicken, der dem Wilden von seiner Furcht eingegeben und dann auf spätere Geschlechter übertragen wird. Hier setzt nun unser Philosoph mit einer sehr feinen Wendung ein, die im Geiste seiner Methode liegt. Er sucht nämlich immer hinter den psychischen Wurzeln der Vorstellungen die tiefer liegenden, äußeren Ursachen, äußeren Existenzbedingungen, welche in den Menschen die psychischen Motive erzeugen. Die Furcht vor übersinnlichen Gewalten könnte nicht entstehen, wenn nicht der ganze äußere Weltlauf und die ganze Natur des Menschen diesem einen solchen Gedanken nahelegen würde, mit anderen Worten, die Furcht vor Gott entsteht bei jedem sich normal entwickelnden Volke einfach deshalb, weil aller Grund dazu vorhanden ist. Gott selbst bildet den Gottesgedanken in den Menschen hienein, wie schon der berühmte Descartes gelehrt hat.